PurpurUm uns nur Liebesworte, die stumm im Kreise stehen,
und Blicke, die auf Wimpern wie auf Stelzen gleiten.
Und die Leuchtkäfer, die uns aus den Ärmeln hervorlugen,
so dass man nicht weiß, hat man einen Körper
oder ist uns der der Nacht zuteil geworden.
Unklar ist es im Dunkeln, ob wir fallen oder liegen
oder längst versunken sind. Es bleibt uns wenig.
Wir reißen Tage einen nach dem anderen herunter,
bis zum Vorhang, an dem wir uns begegnen,
an dem wir enden, endlos werden:
Zwei Silberstreifen eingenäht in Samt,
zwei Wellen, die sich nicht berühren,
zusammen und allein und dennoch eins.
Wir schimmern golden vor Dunkelheit in uns
und schwellen an vor Leere innendrin.
Der Seufzer läßt uns steigen in die Luft,
und dieser Blick, der an den Wimpern hängenblieb,
wiegt mehr als wir.
Es ist uns gleich, ob es der Himmel ist
oder das Meer, ob Wolken uns berühren
oder Schaum der fliegt. Wie sind so leicht,
dass wir fast Träume sind, die nichts mehr wollen
als im anderen zu enden.
Das HausDie Nacht ist ein Streichholz
In den Klauen der Bäume.
Gebeugt rauchen sie vor dem Haus.
Trittst du ans Fenster, ist es hell.
Immer wieder schaust du heraus.
In den Kelchen wiegt sich die Mutter,
weiß wie die Blüten ihr Kleid.
Sie ist nur am Lied zu erkennen,
es weht dir entgegen,
es kitzelt dich so, dass du weinst.
Weder bitter noch heiß sind die Tränen.
Du wanderst auf ihnen
Wie auf Stelzen durchs Haus.
Und die Nacht brennt immer
in den Klauen der Bäume,
schaust du heraus...
Die Hand ins Maul des Schneesturms gelegt,
in einen Stock von greisen Bienen,
schwören Menschen Liebe,
tauschen sie Küsse,
rote, gelbe, blaue.
Über ihrem Leben heben sich die Menschen,
selber Küssen gleichend und vereint im Kuss,
erstarrte und erstaunte Schmetterlinge,
von einem Strahl durchbohrt.
Marjana Gaponenko,
geb. 1981 in Odessa, Studium der Germanistik, schreibt seit 1996 in deutscher Sprache, lebt als Autorin und Übersetzerin in Frankfurt am Main.
-----------------------------------------------------------