Thomas Kistner: Fifa-Mafia TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 17:52

 

F. Eckenga: Prima ist der Klimawandel auch für den Gemüsehandel

13.09.2007

Launigkeit und Brecht und Reimleid...
„Mit dem 2006 verstorbenen Robert Gernhardt wurde der Dortmunder schon oft verglichen. Wer seinen neuen Gedichtband gelesen hat, kann sogar behaupten: Eckenga ist Gernhardts würdiger Wiedergänger“, schreibt WESTLINE. Diesen Kommentar wollen wir deutlich anzweifeln. Allein der Titel ist doch einen deutlichen Deut zu plakativ und dahergekalauert. Er will an großes Max Goldt-Gewese heran, an geweihtes Robert Gernhardt-Getue, bleibt aber schon am Start in einer bierumbrandeten Bütt stecken...

 

„Die Hirnschmelze schreitet voran, der Alkoholspiegel steigt unaufhörlich und aus dem Sprachschlot heraus wird emittiert, was die Restgrütze hergibt“, so lautet der Klappentext, aus dem man unschwer ersieht, dass Eckenga eher auf „Reime fürs Revier“ setzt, Gedichte so leicht zu öffnen, als wären sie eine Bierdose. Aber klar, wer Breitenwirkung will, muss auch ein wenig ausgewälzter arbeiten – das gebietet der Anstand der Anbiederung. Erstmals kommen zu Eckengas Texten auch flankierende Fotos beigesteuert, zumeist recht bejammernswerte Alltagsszenerien. Er benutzt das Bildmaterial als Inspirationsquelle, heißt: er reimt so lange um sie herum, bis sich der zündende Witzfunke daraus löst, um das Stroh in unseren Köpfen kurz auflodern zu lassen. Zu oft allerdings passiert auch gar nichts. Dann setzt er auch noch auf solch barocke Exotismen wie Akrostichon-Sonette, das sind diejenigen Reimbauten, deren Versanfänge untereinandergelesen ein Wort ergeben, z.B. Teddybaerblues oder Frühverrentung. Davon gibt es einige in diesem Band und sie tragen – wenig weit. Auf „Energiesparbirne“ reimt Eckenga „Dichterhirne“, auf „Wärmedämmung“ „Herzbeklemmung“. Das Prinzip scheint klar: Neudeutsch und Romantikdeutsch werden aufeinander losgelassen, den Boxring, die Schlammcatch-Arena bildet der Reim und schon kann es munter losgehen in diesem Death-Match der Dichtung!

In der Irre

Natürlich ist dieser Band keine Klimawandelkampfschrift. Eckenga greift auf allerhand Zusammengerümpeltes zurück: (Pop-)Kultur, Beziehungsleid, Gott, Alltagstücken, Politik, Suff, Deutschtum, Fußball und Morgenstern´sch-Absurdes. Es ist nicht die Linie drin, die der Titel uns glauben zu machen versucht. Und der Klappentext zeigt es ja schon: Ein gereimtes Kabarettprogramm, das zum Schluss - wie üblich - einen schmissig-zynischen Umschlag, eine grelle Etikette verpasst bekommt. Hier zum Buch zusammengepresst und kaum auf Zusammenhalt bedacht ist es eigentlich nicht mehr als „Eckengas gelungenste (meint der Verlag) Ergüsse“. Er ist der "wunderbare Jongleur der Sprache", schrieb der Spiegel. Oh ja, das ist er tatsächlich - und es kracht ihm die ganze Zeit etwas vor die Füße dabei. Ein Gedicht allerdings, so möchte ich am Ende noch ein Teelicht für diesen burlesken Brummkreisel hochhalten, kommt in seiner natürlichen Leichtigkeit, in seinem So-Sein-Müssen einem Gernhardt schon ziemlich nah für einen Augenblick. Es heißt (bezeichnenderweise) „Masse und Klasse“. Vorangestellt ist ihm ein wirklich hübsches Motto von Berti Vogts, es lautet: „Die Breite an der Spitze ist dichter geworden.“

-     Was ragt da aus der Ebene?
-     Ein Mitglied der Elite.
-     Ganz schön groß, das ragt ja sehr.
-     Ist ein Spitzenfunktionär.
-     Mann, der ragt tatsächlich gut.
-     Allererste Klasse.
-     Weißt du denn, was der so tut?
-     Ragen – aus der Masse.
-     Masse? Sind das du und ich?
-     Doch, kann man so sagen.
-     Masse? Wir sind nur zu zweit.
-     Aaaaber wir sind ganz schön breit.
-     Da hat er ja leicht Ragen.

Christoph Pollmann


Fritz Eckenga: Prima ist der Klimawandel auch für den Gemüsehandel
Verlag Antje Kunstmann,
ca. 128 Seiten,
ISBN 978-388897-487-8,
Preis: 12,90 ¤

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...