TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 17:53

 

Durs Grünbein: Vom Schnee oder Descartes in Deutschland

20.02.2004



Letzte Refugien poetischer Sprachschöpfung


In einer auf 42 Cantos verteilten Eloge zeichnet Durs Grünbein in seinem neuen Gedichtband die Gedanken- und Gefühlswelt des Philosophen René Descartes nach.


 

In der zeitgenössischen Literatur behaupten sich die Werke Durs Grünbeins als letzte Refugien poetischer Sprachschöpfung. Freilich nagt auch an diesen bildgewaltigen Monumenten unbeugsamen Stilbewusstseins mitunter der Zahn der Beliebigkeit. Allerdings dürfen dem mittlerweile 41-jährigen Büchner-Preisträger überflüssige Feststellungen wie diejenige, dass es sich bei der Welt um „ein weites Feld ... von Gut und Böse gleich bestellt“ handelt, ebenso nachgesehen werden wie die verhältnismäßig häufige und nicht besonders überzeugende Anlehnung an eine barocke vanitas-Seligkeit:

„Die Wette gilt – der nächste Tag zertritt wie Gras
Die heile Welt von gestern, die das Kindchen wiegt.
Was einmal jung war und begehrt, wird schließlich Aas.
Träg ist der Leib, Not macht erfinderisch. Der Krieg
Tritt rasch ins Haus – so ungebeten wie die Pest.
Das Epos Leben zehrt davon, dass keiner sich recht freut.“

Denn das Umfeld, in dem sich diese Zeilen tummeln, ist ebenso außergewöhnlich wie schwergewichtig. Grünbein zeichnet in einer auf 42 Cantos verteilten Eloge die Gedanken- und Gefühlswelt des Philosophen René Descartes nach. Die Geburtsstunde des Rationalismus erscheint in Grünbeins Versen allerdings nicht als intellektueller Gewaltakt, sondern viel eher als zwielichtige Initialzündung, die in der changierenden Beleuchtung einer symbolisch aufgeladenen Eis- und Schneelandschaft immer wieder auf die Grenze der Selbsterkenntnis trifft. Die Sogwirkung der virtuosen Sprachbehandlung, die den Leser ohne Reibungsverlust in die Erlebniszusammenhänge des 17. Jahrhunderts zerrt, grenzt dabei einmal mehr ans Phantastische.

Dass Grünbein den Begriff „Anspruch“ nicht als Vorverurteilung begreift, unterscheidet ihn sicher von der großen Mehrheit potenzieller Leser; aber es verbindet den Dichter auch mit seinem Helden Descartes, der sich in der dunklen Einsamkeit seiner instabilen Ratio offenbar durchaus wohl fühlt:
„Was soll mir Außenwelt? Hier geht’s um Innenschau.“


Thorsten Stegemann



Durs Grünbein: Vom Schnee oder Descartes in Deutschland. Suhrkamp 2003. Gebunden. 144 Seiten. 19,90 Euro. ISBN 3-518-41455-0

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...