Michael Donhauser gelingt dies erstaunlich souverän und scheinbar mühelos. Es sind freilich Prosagedichte, ungereimte oder kaum gereimte, nicht in Versen gesetzte Vier- bis Sechszeiler, die sich im lyrischen Sprechen über die einfachen Dinge üben, über den Wind, das Licht, die Blätter, die Wolken und alle die anderen schönen Lieblingswörter und Lieblingsphänomene des die Landschaft durchwandernden Romantikers.
Dieses lyrische Sprechen vermeidet indessen behutsam, zum Aussagesatz zu gerinnen, es geht sanft und in einfachen Worten und nur ein bisschen sprachspielerisch auf sein Thema zu, um mitten in der Bewegung auf die typische Donhausersche Manier gebrochen zu werden, nicht mit Gewalt, nicht als Sprachzertrümmerung, sondern nur leicht „verrückt“ oder ein wenig kompliziert in ein anderes, ebenso freundliches Satzelement auslaufend. Dadurch wird die das Sprechen bestimmende Zärtlichkeitsemotion, die manchmal auch melancholisch ist, kaum unterbrochen, sie darf sein und im Gedicht zur Sprache kommen, ohne dass die Wirklichkeit, der das Gedicht Ausdruck verleiht, als so oder so bekannt behauptet wird.
„Lose und leise, es weilte das Leben, es zogen / die Wolken und teilte das Wehen die Kronen / der Bäume, sie flohen, als flehte wogend und / weithin ein Neigen, es währte, ich hätte, ich / sagte, und alles war Geben, war lose und heilte, / leise und wehte.“
Carsten Zimmermann
Michael Donhauser: Schönste Lieder. Gedichte. Urs Engeler Editor 2007. 56 Seiten. 17,00 Euro.