Ein Nobelpreisträger, der mit seinem Namen die lyrische Werbetrommel für die Sammlung Luchterhand rührt: 1923 erhielt der Ire William Butler Yeats (1865 - 1939) diesen Preis für sein poetisches Werk, aus dem hier die an die Schauspielerin und Agitatorin Maud Gonne (die die Politik der Liebe vorzog) gerichteten
Liebesgedichte vorgestellt werden. So verdanken wir diese in melancholischen (auch sarkastischen) Tonarten vorgetragenen Verse einer unerfüllten Liebe und stellen wieder einmal mit Erstaunen fest, was Menschen mit ihren ablehnenden Reaktionen bei anderen an vorteilhaften Energien auslösen können.
Die umfangreiche, sich in erster Linie auf die komplizierte Beziehung zu Maud Gonne beziehende Prosa Aus den Lebenserinnerungen sowie Anmerkungen und dem Nachwort von Werner Vordtriede zeichnen auch diesen Band aus, der ebenfalls die typische editorische Handschrift der neuen Sammlung Luchterhand trägt. (Nebenbei: Im Gegensatz zu den Übertragungen der Gedichte von Pablo Neruda und Sergej Jessenin empfand ich beim Lesen der Gedichte von Yeats durchgehend die Kluft, die sich durch die Übersetzung zwischen Autor und Leser bildet. Wir müssen uns bei übersetzten Büchern stets der Tatsache bewusst sein, dass es sich hier - bei aller Übersetzungskunst - nicht um die originalen Texte handelt. Deshalb sind zweisprachige Editionen immer vorzuziehen. Einen Preis von 19,50 DM, der für diese relativ schmalen Bändchen hoch ist, würde ich in diesem Falle gern bezahlen.)
Ein Dichter an seine Geliebte
Ehrfurchtsvoll hält meine Hand
Traumesbücher ohne Zahl,
Weiße Frau, von Sehnsucht müd
Wie von Brandung grauer Sand:
Und mein Herz ist mehr verblüht
Denn das Horn in Glut der Zeit,
Träumerische weiße Frau
Meine Reime sind bereit.
Von Theo Breuer
William Butler Yeats: Liebesgedichte. 144 Seiten, Broschur, 19.50 DM. SL 2006