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Freitag, 25. Mai 2012 | 18:03

René Steininger: rinforzando

06.04.2009

Schussblumen

rinforzando heißt der Debütband René Steiningers, was „plötzlich stärker werdend“ bedeutet. Das der Musik entlehnte Stichwort bezeichnet die Eigenart der Gedichte und wenigen Prosastücke, die der österreichische Bucher Verlag Hohenems herausgebracht hat, durchaus treffend, meint ANDREAS DEGEN

 

Steiningers Texte sind Zuspitzungen. Sie streben auf eine Pointe, eine Wendung zu, die häufig eine Wendung im Sprachlichen ist: ein Wortspiel, ein Paradox, ein semantischer Januskopf. Der genau kalkulierende Zungenschlag des Aphoristikers gibt den Texten Verve und stellt die Beobachtungen als Denkübung auf. Was beobachtet wird sind Alltäglichkeiten, auch dort, wo Ortsangaben Halbexotisches erwarten lassen. Der Autor gibt sich als Tourist zu erkennen, unterwegs in erogenen Zonen, ein verlustempfindlicher Verbraucher von Landschaft und Liebe. Einer, der die Lust kennt und ihren Preis.
Er skizziert, mit wenigen Worten, Augenblicke des Glücks, die umso heller leuchten, je lichtloser ihr Untergrund ist: ein nächtliches Zugfenster, das ein fremdes Gesicht nahe bringt; eine intime Bewegung beim Geschäft mit der Liebe; Straßenkinder, die im Autoabgas Wärme suchen.
Steininger schreibt keine Idyllen, sondern Milieustudien über eine grausame Welt, der nicht anders als für Momente zu entkommen ist. Brutal ist normal, aber nicht alles. Die Texte klagen nicht an und klären nicht auf, sie halten nur dagegen: wie der Gastarbeiter Mustafa, der Töchter statt Söhne wollte, oder der Wind im Fell der Straßenhunde von Bukarest.

Schönheit bemisst sich – zweifellos eine der gelungensten Metaphern des Bandes – an „den / Schritten / einer Eidechse / die der / versteinerten Erde / wie Gänsehaut / über den Rücken / läuft“. Das Schöne im Grauen zu beschreiben, ohne obszön oder kitschig zu werden, ist eine Gratwanderung, die dem Autor meist gelingt: „Nah an den Fakten, doch stets in Rücksicht auf das Verletzliche“. Auf all die anderen Selbstauskünfte, mit denen der Band sich absichern zu müssen meinte, hätte man jedoch gut verzichten können.

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