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Dienstag, 07. Februar 2012 | 07:30

Sandra Trojan: um uns arm zu machen

18.05.2009

Grüner Klee macht uns nicht arm!

Sandra Trojans Lyrik-Debüt ist auf begeisterte Resonanz gestoßen – aber sind diese Lobeshymnen auch gerechtfertigt? STEFAN HEUER hat‘s überprüft.

 

Als Veranstalter im Kulturbereich, zu dessen Tätigkeiten auch die Konzeption und die Organisation von Kunstausstellungen gehört, bin ich es gewohnt, gemischte Gefühle hervorzurufen und eine (ebenso gemischte) Resonanz zu erhalten – gegenständlich-naturalistische Darstellungen sind vielen zu direkt, zu unmystisch, während ich bei abstrakter Malerei bereits des Öfteren gefragt wurde, warum auf dem Bild denn „gar nichts drauf ist“.

Nun, die Präferenz bestimmter Stile und Formen lässt sich durchaus von der Bildenden Kunst auf die Literatur, dort auf die Lyrik und dort wiederum auf die Leser von Lyrik übertragen. Zeigen sich viele Besucher (respektive: Leser) noch offen für Inhalte und Aussagen, so haben die meisten, nach meinem Eindruck, doch eine gewisse Erwartungshaltung bezüglich der Form. „Gleich und gleich gesellt sich gern“, „Gegensätze ziehen sich an“ – für Gedichtbände, wie für andere Bereiche, mögen die Begriffe homogen und heterogen als sich gegenüberliegende Pole gelten, und viele Leser mögen sich in einem Buch mit gleichförmigen, eben homogenen Texten besser aufgehoben fühlen.

Sandra Trojan, 1980 in Westfalen geboren, zählt hierzulande zu den jüngsten in wichtigen Anthologien und Zeitschriften vertretenen Dichterinnen. Ihr vor Kurzem im poetenladen Verlag erschienenes Lyrik-Debüt hat einhellig begeisterte Resonanz hervorgerufen. Ich bin immer ein wenig misstrauisch, wenn ein Buch dermaßen über den grünen Klee gelobt wird, wie es bisher bei Um uns arm zu machen der Fall war. Doch in der Tat: Um uns arm zu machen ist ein wertvoller, vielschichtiger Gedichtband geworden. Liegt es daran, dass es sich um eine „sinnliche Rede handelt, die wie selbstverständlich auch Unschärfen mit einschließt“, wie Michael Braun attestiert? – ja, auch. Liegt es daran, dass man „spürt, dass sie Eliot und Yeats gelesen hat, was ihrem Deutsch einen fast fremdsprachlichen Reiz gibt“, wie Norbert Hummelt begeistert verlauten ließ? – ja, auch das. In erster Linie liegt es jedoch offensichtlich am Zusammentreffen von zwei Faktoren bzw. Parteien – einer talentierten, wortfühlenden Autorin sowie eines Verlags, der einer jungen Lyrikerin für ihr Debüt eine erstklassige Aufmachung kredenzte und im Gegenzug nur wenige Grenzen setzte, so dass Sandra Trojans Gedichte das widerspiegeln können und dürfen, was ich mir von einer jungen, noch nicht im akademischen Gefüge verschlungenen Lyrikerin erhoffe: Mut zum Experiment, und dies vor allem in Form und Federstrich.

Herausgekommen ist ein Kessel Buntes, der dennoch aufgrund der gleichbleibend hohen Textqualität homogen genug ist, um einen Lesefluss hervorzurufen. Da findet sich das prosaische „Lieber Freund“ neben dem mittels Stufen und Einrückungen gestylten „Wurzeln“; da steht das aus insgesamt 16 Zeilen bestehende Anagramm „Domdenken“ neben dem auf vier römisch bezifferte Teile angelegten Kurzzyklus „Bergfreiheit“ – ein sprunghaftes Spiel, das den Leser neugierig macht und bis zum Ende neugierig hält.

Wenn die Stunde kommt

darf das Tier im Körper freigelassen werden
um trogwärts loszuschlurfen in die Welt.
(Die wartet schon so lang auf neue Metastasen)

Scharfe Steine haben sich in falschem Grau gekleidet
Krähen klappern Schnäbel so schwarz wie all die
ungezählten Namen und man kennt keine Stunde mehr
nur diese zweite Stunde, wiegt die Glieder
(ganz sachte) zum Quieken frömmelnder Scheine.


Der Anfang ist also gelungen, die ersten Lorbeeren verteilt – aber wird Sandra Trojan ihren Platz auch im Kanon jener Stimmen finden, die man auch in einigen Jahren noch hören wird und mag? Wie so viele andere bin ich da guter, wenn nicht bester Dinge! Um uns arm zu machen ist eine Bereicherung – mag der König auf dem Cover auch vor noch so einem kärglichen Feuer sitzen und zweifeln und grübeln.

 

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