Landschaft, offene Hand – das klingt einladend, klingt (auch seine geistige Landschaft) anbietend, klingt zugleich jedoch auch (Interesse und Augenmerk) einfordernd. Dabei macht es Waldura dem Leser zunächst und zumeist leicht, ihm in seine Gedichte zu folgen, denn auf den ersten Blick handelt es sich bei vielen Gedichten des Bandes um Naturbetrachtungen, um in Sprache transkribierte impressionistische Seerosenteiche. Wie so oft verrät der zweite, etwas genauere Blick jedoch, dass die meisten Texte eine Tiefe beherbergen, die eine intensivere Aufmerksamkeit erfordert und lohnt.
Schnell und an mancher Stelle unvermutet nehmen Walduras Gedichte Fahrt auf, Romantik wird dann schnell zur Dramatik: „Die entkorkte Stille des Zimmers / ist plötzlich / angeschlossen ans gedämpfte Brausen / der Ferne: / Generatorsausen der Stadtmaschine, / vibrierender Treibriemen der Zeit“ (aus „Geräuschmeer“). Dabei ist es oftmals das Licht, das sich in all seinen Varianten und Facetten als Friedensstifter, aber auch als Hiobsbote zu verdingen hat – als „kalter Schimmer auf letztem Blattgold der Kronen“, als „nächtlicher Lichthof, in dem Meeresgewächse emporstreben“, aber auch als „blasses Strahlen über den Schlummer des Walds weg hinüber in künftigen Morgen“.
Wo viel Licht, da auch Schatten, und so hätten einige wenige Gedichte mit gutem Gewissen gestrichen bzw. ersetzt werden können, so das plakative „Morgendliche BMWs“, das von „rasanten Führungskräften“ bis zu „fallenden Aktien“ plätschert; ebenso der „Handy-Telefonierer“, der selbstverständlich sämtliche Klischees bedient und im Gedicht genau das tut, was man von einem solchen Nervling in der Öffentlichkeit erwartet.
Ein ganzes Kapitel (von insgesamt 10) hat Waldura der klassischen Musik und Protagonisten wie Beethoven und Mozart, aber auch Schumann und Mahler gewidmet. Kenntnisreich, wie man es von einem Privatdozenten für Musikwissenschaft erwarten darf, arbeitet sich der Autor hier an den großen Persönlichkeiten, ihren Kompositionen und Biografien ab. Nach der Lektüre des gesamten Buches ist mehr als deutlich, dass Waldura dort seine stärksten Momente hat, wo er die wenigsten Worte macht, wo er mit Gefühl schreibt statt zu erklären. Wenn er nicht jedem WAS-Wort ein WIE-Wort an die Hand gibt, sondern die Stimmung (auf sich) wirken lässt, schlicht und schön und in ungezwirbelter, zeitloser Sprache, wie bei seiner
Katze im Lauschen
Sie sitzt mir abgewandt,
und lauscht aus meiner Welt hinaus,
die aufgestellten Ohren ganz
über eine andere Wirklichkeit gestülpt.
Wo ich nur eine Zimmerecke
sehe, spielt ihre Wachsamkeit
in einer Wildnis.