Hohes sprachliches Niveau
In der Presseinfo ist zu lesen, dass es sich bei den 35 alphabetisch geordneten Gedichten dieses Bandes um Gedichte handelt, „die sich dem Thema Provinz / Provinzialität widmen“. Dies ist, hinsichtlich der in den Gedichten geschilderten Örtlichkeiten, nicht von der Hand zu weisen, dennoch folgen die hier versammelten Texte einem weiteren, sie verbindenden Motiv: der Flucht.
In der Mehrzahl scheinen es dabei nicht zwangsläufig Fluchten in eine bessere Zukunft zu sein, sie scheinen vielmehr dazu zu dienen, eine räumliche und zeitliche Distanz zur Vergangenheit zu schaffen. Dabei zeigt Kasnitz sich offen hinsichtlich der Richtung, die es einzuschlagen gilt: ins innere Exil hinter die eigene Haut, aber auch die Flucht nach vorne, mal vorsichtig Schritt für Schritt, mal aber auch gehechtet, wenn die Mauer im Rücken bereits gegen die Schulter drückt und einen Rückzug nicht mehr zulässt. Oft genug scheint dabei bereits der Weg ein erheblicher Teil des Zieles zu sein; die Hoffnung, dass sich schon nach den ersten Schritten Besserung einstellen möge, dass bereits eine Kleinigkeit die herbeigesehnte Veränderung bringen könnte, ist zu erahnen.
MIT HOHEM C (SAUERLAND)
Komm doch mit die Halme knicken
das Reisig brechen ein Reh
du kannst es kaum ertragen
da unten eine Wasserfläche
zum Zerschneiden mit bloßen Armen
die sich spiegelnden Wolken sag adé
Autobahn sag lebwohl Staumauer
im Frühtau im ersten Licht
das sich durch das Laub schlägt valleri
Den Tag zu langen Drähten hält das hohe sprachliche Niveau der vorangegangenen Bände, wirkt im Vergleich zu ihnen jedoch deutlich reduzierter, komplexer, konzentrierter. Der eigene Kopf wird mehr gebraucht als je zuvor – für aufgeschlossene Leser ein angenehmes Gefühl.