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Dienstag, 07. Februar 2012 | 07:38

Theo Breuer: Wortlos - und andere Gedichte

01.03.2010

wort für wort und irgendwie / riecht es scharf nach poesie

Nach seiner Nacht im Kreuz erschien im vergangenen Jahr mit Wortlos bereits Theo Breuers zweiter Band bei der Silver Horse Edition; illustriert mit Linoldrucken von Karl-Friedrich Hacker, mit dem Breuer schon bei zahllosen Projekten in Hackers edition bauwagen kollaborierte, markierte er den zwölften Band der von Verleger Peter Ettl innerhalb recht kurzer Zeit etablierten und hochkarätig besetzten Lyrikreihe. Von STEFAN HEUER

 

Breuer, über die Landesgrenzen hinaus bekannter Überzeugungstäter in Sachen Lyrik, der neben umfangreicher Sekundärliteratur zur zeitgenössischen Lyrik und Prosa auf zahlreiche Einzelveröffentlichungen mit eigenen Texten zurückblicken kann, präsentiert mit Wortlos ein buntes Potpourri an Form und Inhalt – ein roter Faden muss weder aufgerollt noch künstlich nachgefärbt werden. Eines aber wird in vielen Texten mehr als deutlich: die Faszination, die einzelne Worte auf den Autor auszuüben vermögen. Ob in Form eines Sonetts, das Breuer (wenn auch nicht streng silbengetreu) nach der vierzehnten Zeile ersterben lässt und ihm dadurch annähernd menschliche Züge verleiht, oder in freier, dennoch gereimter Form („wort für wort und irgendwie / riecht es scharf nach poesie“ – aus „das große ausweglos“) – wie bei Ernst Jandl und seinen bleibenden, gelegten und liegenden Gedichten, wird auch bei Breuer das Gedicht, seine Entstehungsgeschichte sowie die dichterische Profession öfter mal selbst zum Inhalt.

 

Und auch die Einflüsse anderer Lyriker sind bei genauerem Blick unübersehbar, Reminiszenzen an die schelmisch daherkommenden Reime seines Freundes Axel Kutsch etwa. An anderer Stelle fühlt man sich an Thomas Kling erinnert – vornehmlich dann, wenn Breuer in „o schwarzblaues loch“ (das er ursprünglich aus einem Ausspruch des Franz Biberkopf in Berlin Alexanderplatz generiert hat) vom buchstabmbeben spricht und dem Leser damit Klings brennstabm ins Hirn bohrt.

 

buchstabmbeben

Dass Wortlos neben (sagen wir) normalen Gedichten und Sonetten auch Visuelles enthält, verwundert nicht, wenn man Breuers Vorliebe für Mail Art und Stempelarbeiten sowie das 2007 bei der irischen Redfoxpress erschienene WORD THEATRE kennt – wobei mir wieder mal bewusst wird, dass ich mit visueller Poesie nur selten wirklich warm, geschweige denn heiß werde. Ein Gedicht sollte auch bestehen können, wenn es nicht in den Umrissen einer menschlichen Gestalt daherkommt. Bezeichnenderweise ist „drei männer im nebel“ denn auch (bis auf eine ausgesprochen schöne Endung) der schwächste unter ansonsten starken Texten.

 

Um Längen besser ist das dreiteilige „still he is turning: one two three“, zugedacht dem 2007 verstorbenen, aufgrund seiner jüdischen Abstammung 1933 nach England emigrierten Michael Hamburger, der eben dort nicht nur als Schriftsteller bekannt war, sondern sich auch als Apfelzüchter einen Namen gemacht hat.

 

 

three: der garten das haus der tisch

 

noch mal raus

paar äste sammeln

 

untern arm klemmen

luft schnappen

 

renettenreste gammeln

unter stämmen

 

der duft der blätter

im frühjahr ein gedicht

 

fisch zu mittag

und die briefe müssen

 

zum königlichen kasten

jenseits der schmerzgrenze

 

paar gäste im anmarsch

zeit nehmen für den russischen tee

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