Alltagsbeobachtungen und universelle Behauptungen spielen Pingpong auf den Verszeilen. Das Ergebnis liest sich, als würde eine Außerirdische im lyrischen Telegrammstil von einem ausgedehnten Besuch auf der Erde berichten. Den Kosmos sprechen die Überschriften gerne an, auch diejenige dieses Gedichts, aus dem die Verszeile stammt, die der deutschen Ausgabe – Komm her o Klarheit! – ihren Titel gibt.
As I age, things become clearer – clearer and clearer. Saying that is a sort of joke.
(Je älter ich werde, desto klarer werden die Dinge – klarer und klarer. Wenn man das sagt, klingt es schon wie eine Art Witz.)
„The Precision We Need Is of Another Earth“ / „Die Präzision, die wir brauchen, ist die einer anderen Erde“
Solch ein unverhofftes Nebeneinander von erhaben und banal sorgt für Komik, natürlich. Der Anblick bringt den Leser zum Lachen. Der Effekt ist vergleichbar mit demjenigen, den bestimmte Kunstinstallationen aus den 1990ern hervorrufen, Tracy Emin etwa mit ihren Zeltstickereien in „Everyone I have ever slept with 1963–1995“ oder die „Escape Vehicles“ von Andrea Zittel oder selbst Rebecca Horns „Typewriters“, antike Schreibmaschinen, die in der Hamburger Kunsthalle von der Decke hängen. Alles Frauen, alles Außerirdische (vermutlich).
When the deer run through the cabin, the air moves aside to accommodate them. The walls expand and contract, admitting and expelling deer.
It is a physics problem.
(Laufen Hirsche durch die Hütte, weicht die Luft zur Seite, um Platz zu schaffen. Die Wände weiten sich und schrumpfen wieder, Hirsche aufnehmend und von sich gebend.
Das ist ein physikalisches Problem.)
„Winter Poem“ / „Wintergedicht“
„Ist es nicht immer noch so, dass das Sumpern und Pumpern der Welt zumindest für Augenblicke aussetzt, sobald Poesie aufblitzt wie ein Wunder?“, schreibt Erwin Einzinger in seinem schönen Nachwort zu dieser deutschen Ausgabe. Der Dichter Ron Winkler, der Mangusos Lyrik übersetzt hat, ist nicht zu beneiden dafür, dass seine Übertragung immerzu mit dem Original auf der Gegenseite verglichen werden kann, samt fehlenden Verszeilen, Umständlichkeiten und allzu formloser Freizügigkeit. Die gute Nachricht: Sarah Manguso braucht für ihr Poesiewunder nicht dringend auch ein Übersetzungswunder; mit ein wenig Songtext-Englisch lassen sich ihre Botschaften weitgehend verstehen:
On Neptune it rains diamonds.
(Auf Neptun regnet es Diamanten.)
„Beautiful Things“ / „Wunderbare Dinge“
– sagt die Frau, die sich später so beschreibt:
The light was shooting out of my eyes again.
I had a tattoo on my wrist, it was cool,
It meant I was all-powerful ...
(Wieder schoss das Licht aus meinen Augen.
Ich hatte ein Tattoo am Handgelenk, es war cool,
Es bedeutete, dass ich allmächtig war ...)
„They Are Unlike Us in Almost Every Other Way“ / „Sie unterscheiden sich von uns in fast jeder erdenklichen Hinsicht“