nicht, dass ich scheiben einwerfen wollte. im gegenteil. man guckt und staunt, was sich Christoph Grau bei seiner »gebäude-minne« so alles denkt. 47 alphabetisch geordnete kurztexte (auf seite 321 das nachwort, aber erst auf seite 495 das vorwort), die mit viel zusammengetragenem wissen und halbwissen durchwirkt sind, mit noch mehr merkwürdigen bildern – hauptsächlich von runden dingen (abgesehen vielleicht von der kaaba, aber auch daran wird sicher etwas rundes sein) – und die unglaublich unterhaltsam alles vereinen, was Grau auch nur im entferntesten unter dem titel pantheon projekt von seinem dachboden und aus alten photoalben zusammenzutragen vermochte.
»das pantheon ist eine verkörperung des denkens, ist stofflichkeit und energie,« die man an einem langweiligen sonntagnachmittag entwickelt. man probiert dies, ordnet jenes neu, stellt ein drittes dazu – und am ende ist das halbe haus ein kosmisches chaos. alles aber hat eine bedeutung, einen inneren zusammenhang, der von aussen (»um himmels willen, und wer räumt das ganze nachher wieder auf!?«) vielleicht nicht auf anhieb sichtbar ist. »irgendwann fand ich zu meiner eigenen überraschung einen speziellen speicherplatz in meiner vorstellungswelt, der selbstständig bereits alle materialien versammelt hatte, aus denen ich das vorliegende buch zusammengestellt habe.«
denn: »das griechische wort kosmos,« schreibt der autor, »hat gleich drei bedeutungen: ordnung. schönheit. welt.« und in der mitte: ein nichts, das alles zusammenhält. die kuppel des pantheon bleibt nämlich vor allem dadurch über ihren riesigen durchmesser (43m) stabil, weil die vorschluszsteine kreisförmig (und nicht etwa im rechteck) gegeneinanderstossen und in ihrer mitte ein loch (9m) lassen, durch das tauben hinaus und der heilige geist herein kann.
pantheon projekt ist in papier gekleidete poesie, weshalb der autor sich Robert Harbisons ausspruch zueigen macht, dass nämlich »auch die handfestesten tatsachen der architektur bis zu einem gewissen grad fiktional sind.« pantheon projekt ist nicht: auf papier geschriebene dichtung. das buch an sich, als gegenstand ist poetisch, so wie der tag in die nacht verliebt ist. »licht ist der tag, dunkel die nacht im pantheon, aber niemals ist es ganz hell oder ganz finster.« so ist das buch auch kein buch, es ist der ziegel, der übrig blieb, als man das pantheon baute.
