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Dienstag, 07. Februar 2012 | 06:15

Milo Manara / Federico Fellini: Manara Werkausgabe Band 1

11.03.2010

Na, dann mal los ...

Der erste Band der Manara-Werkausgabe, in dem der Südtiroler Zeichner auf Federico Fellini trifft, präsentiert zwei eigenwillige, aber gelungene Zusammenarbeiten der beiden Legenden. Von JENS ESSMANN

 

Die Reise nach Tulum und Die Reise des G. Mastorna, genannt Fernet waren zuerst als Filmprojekte gedacht, wandelten sich dann aber in zwei äußerst anregende Varianten von "Filmadaption". Für die Fans des Zeichners eröffnen sich hier vielleicht neue Perspektiven auf sein Werk, während, wer zufällig zugreift, eine andeutungsreiche Einführung in Manaras Schaffen findet.

 

Von Reise zu Reise ...

Die Reise nach Tulum wurde von Fellini 1984 unter dem Einfluss eines Trips nach Los Angeles und Mexiko geschrieben. Beeindruckt vom Werk des umstrittenen „Anthropologen“ und Esoterik-Gurus Carlos Castaneda plante er, diesen persönlich zu treffen, um ein Drehbuch über seine Reise und die Zusammenkunft zu schreiben. Dies scheiterte, und die Überreste wurden daraufhin mit Illustrationen Manaras im Corriere della Sera veröffentlicht.

 

Die hier vorliegende Fassung ist nun eine erneute Bearbeitung Manaras, in der er das Drehbuch und dessen Entstehungsgeschichte verbindet. Angefangen mit der Begegnung der Protagonisten und des am Rande eines Sees in der Filmstadt Roms schlafenden Fellini, packt die Geschichte all ihre Handlungsfäden zusammen und reißt ihr Personal in einem reanimierten Flugzeugwrack aus der Cinecittà, um sie in die Gegenwelt Mexikos zu werfen.

 

Während die Erzählung mit einem staunenden Blick durch die Übergangswelt der Kulissenstadt beginnt, ist die Reise nach Südamerika gleichzeitig als Schritt von der Ahnung zum Traum wie auch von Manaras Reflexionsebene zu Fellinis Drehbuchideen markiert. Deren Bearbeitung ist dabei äußert geschickt darin, Fantasie und Stoff zu verknoten, und wem das esoterische Gequatsche, das mit dem Aufeinandertreffen der Helden und eines Schamanen beginnt, nicht zu sehr auf die Nerven geht, der findet hier eine wirklich außergewöhnliche Form der „Filmadaption“.

 

... zu Reise und Reise ...

Der Mittelteil des Buches, die Kurzgeschichte Ohne Titel, ist dann eine zwar etwas verquaste, leicht hektische, aber auch durchaus liebevolle Verneigung vor Fellini, die im Kontext dieser Ausgabe überzeugt, alles in allem aber eher als kleiner Teaser für die letzte Erzählung funktioniert.

 

Der Band endet dann mit Die Reise des G. Mastorna, genannt Fernet, und geht in der Reihung der vertretenen Erzählweisen von der offensten zur geschlossensten. Die Konzeption, angefangen bei der Anordnung der Panels, stammt hier von Fellini, und wurde von Manara in Form und Inhalt übersetzt. Es zeigt sich damit gerade im Vergleich zu den beiden anderen Geschichten des Bandes, wie befruchtend die Zusammenarbeit beider sein kann. Denn die Geschichte ist nicht nur geschlossener, packender und mit wesentlich besserem Timing erzählt, sie überzeugt auch in ihrem klareren Umgang mit der Erzählerperspektive weitaus mehr als die hin und wieder recht unschlüssige, eröffnende Reise nach Tulum.

 

... und weiter

Zur weiteren Ausstattung des Bandes gehören die für die letztere Geschichte angefertigten Originalskizzen Fellinis (der zu Beginn seiner Laufbahn auch als Karikaturist tätig war). Diesen werden Manaras Übersetzungen und Korrekturen gegenübergestellt – ein wirklich anregendes Gimmick. Zudem gibt es das von Manara gefertigte Storyboard zur ersten Fassung der Reise nach Tulum, eine wunderbar reduziert skizzierte Version der Badeszene und ein zwar informatives, doch sehr unbeholfenes Vorwort, irgendwo zwischen Erlebniserzählung und Werbetext changierend. Hätte man noch einen Wunsch anzubringen, so hätte man doch gern die für Fellini gestalteten Filmplakate, unter anderem La Dolce Vita, abgedruckt gesehen.

 

Eine größere Lieblosigkeit leistet sich der Verlag aber mit der Aufmachung des Bandes: Abgesehen von den für Titel und Texte gewählten, uninspirierten und schlicht langweilgen Schriftarten ist das Cover derart öde zusammengeschustert (die im Internet zu findende Fassung entspricht nicht vollends dem Druck), dass man sich umso mehr freuen kann, von den im Band vertretenen Zeichnungen Manaras aufs höchste positiv überrascht zu werden. Neben der bereits angesprochenen meisterhaften Badeszene, den wie üblich grandios umrissenen Figuren - nicht nur den Frauen -, sind auch die Landschaften und Kulissen durchweg aufwändig und mit größter Liebe fürs Detail aufs Blatt gebracht. Never judge a book by its cover ...

 

Auch wenn sie vielleicht nicht mit allem ihr gebührenden Geschick in Szene gesetzt wird, so belegt dieser Band doch eindeutig Manaras Ausnahmestellung. Auf die folgenden Teile der Werkausgabe darf man freudig gespannt sein.

 

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