Frettchenhafte Verbissenheit
Die in Singapur lebende Autorin Shamini Flint, 40, ist eine erfolgreiche Firmenjuristin, die erst mit dem Schreiben begann, als sie sich mit ihrer neuen Rolle als Hausfrau und Mutter abfinden musste. Sie schrieb zuerst Kinderbücher und erfand dann ihren liebenswerten, eigenwilligen Inspektor Singh, der mit seiner Intelligenz und seiner frettchenhaften Verbissenheit den undurchschaubarsten Fällen auf der Spur bleibt und sie auch überzeugend lösen kann. Inzwischen hat Shamini Flint eine mehrbändige Singh-Serie fabriziert: Der zweite Band Der Mann, der zweimal starb. Inspektor Singh ermittelt auf Bali soll Anfang März erscheinen.
Flint kann nicht nur spannende Plots mit faszinierenden Figuren entwickeln. Sie besitzt auch das Talent, das asiatische Lokalkolorit so dicht zu evozieren, dass wir die dampfenden Garküchen, den Motorengestank, den prasselnden Monsun und den Lärmpegel von Kuala Lumpur fast riechen, schmecken und hören können. Und Singh ist keineswegs als komische Figur gezeigt wie der manchmal fast karikaturhafte Fengshui-Detektiv C. F. Wong von Nury Vittachi, sondern überzeugt mit seiner souveränen, unaufgeregten Autorität und einer Entschlusskraft, die sich gegen alle kleinkarierten Bedenkenträger durchsetzt.
Und wenn wir glauben, nun sei das Rätsel gelöst und Inspektor Singh kann wieder an seinen Naschtopf zurück oder sich einen süßen Tee reinziehen, dann serviert uns diese fabelhafte Autorin einen neuen Schauplatz – etwa den Dschungel in Borneo mit seinen bedrohten Naturvölkern und den vom Abholzen bedrohten Regenwäldern – und schon sind wir wieder mittendrin in einem Abenteuer, das ein neues Licht auf diese zerstrittene Familie Lee wirft, in der sich skrupellose Raffkes, eine verzweifelte Mutter und radikale Umweltschützer erbarmungslos bekämpfen.
Selten liest man einen Krimi, in dem alles so stimmig ist: Plot und Figuren, Dialoge und Schauplätze. Alles wirkt extrem frisch, originell und spannend. In diesen kalten Tagen besonders für diejenigen Leser zu empfehlen, die von den skandinavischen Knäckebrotschwarten aus dem vereisten Norden und den nörgelnden, larmoyanten Kommissaren zwischen Jütland und dem Polarkreis genauso angeödet sind wie der Rezensent!