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Robert Hültner: Das schlafende Grab

26.04.2004

 
Ein Fall für Türk

Langsam und bedächtig geht es los, doch leider bleibt es dabei. Der neue Kriminalroman von Robert Hültner thematisiert ein dunkles Kapitel deutscher Filmgeschichte aus heutiger Perspektive und webt daraus eine mäßig spannende Handlung.

 

Robert Hültners neuer Serienheld heißt Joseph Türk, ist degradierter Kripohauptmeister und fährt in München Streife. Sein ehemaliger Kollege Schranz, ein aufgeblasener Choleriker und unfähig, war an seiner Versetzung nicht ganz unschuldig. Wie es dazu gekommen sein mag, das fragen sich seine neuen Kollegen in Grün – und auch die Leser.

Mord im Zirkus

Türk und sein Kollege Baier werden an den Tatort gerufen, freilich nicht zu Ermittlungszwecken, sondern um den Tatort zu sichern. Ein Zirkusclown ist erschossen worden, sein Partner spurlos verschwunden. Und der leitende Ermittler Schranz hält den Partner des Clowns für den Täter, doch Türk ist da ganz anderer Meinung.
Gegen den Widerstand seiner Kollegen, besonders gegen Schranz, macht sich Türk seine eigenen Gedanken. Denn er ist und bleibt ein eingefleischter Ermittler, der sich mit einfachen Lösungen nicht zufrieden gibt. Als dann ein zweiter Mord geschieht, stellt sich heraus, dass er mit derselben Waffe begangen wurde. Türk besitzt nun zwei Ansatzpunkte, um den Fall zu lösen: Das erste Opfer war ein Sinto (nicht Sinti, wie wir lernen), das zweite ein Sammler alter Filme. Wie hängen die Opfer miteinander zusammen, fragt sich Türk und ermittelt im Stillen, während Schranz noch von zwei voneinander getrennten Fällen ausgeht und im Trüben stochert.

Leider nicht viel Spannung

Ein guter Krimi braucht sicherlich kein spektakuläres Verbrechen, der gesetzte Münchner Charme mit seinen typisch bayerischen Akteuren ist sicherlich auch Geschmacksache, die etwas altbackenen Szenen Türks mit seinem Neffen Friedl – nun ja. Gewichtiger ist da schon, dass die Handlung im Mittelteil des Buches ihren Schwung verliert. Denn da ist einerseits Türk mit seinem konstanten Ermittlungsinteresse und andererseits die manchmal gar so zufälligen Hinweise, die dem Leser wie Häppchen serviert werden, um die Geschichte voranzubringen. Das erzeugt dann schnell den Eindruck, als sei es nicht wirklich Türks Leistung, wenn die Ermittlungen vorangehen – wenn sie denn vorangehen.
Freilich erlaubt sich der Routinier Hültner keine wirklich handwerklichen Fehler, doch bleibt er insgesamt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Dass Hültner aber inhaltlich auf ein dunkles Kapitel deutscher Filmgeschichte hinweist, welches historisch belegt ist, das ist ein Pluspunkt des Romans. Und da ist natürlich der ansonsten recht sympathische Türk, der für gewöhnlich das tut, was Serienhelden immer tun: sie ermitteln weiter. Dann hoffentlich etwas spannender.

Frank Kaufmann


Robert Hültner: Das schlafende Grab: Türks erster Fall, btb-Verlag, München 2004, 240 Seiten, 9,- ¤, ISBN: 3-442-73169-0

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