J. Kramp & J. Wehnert: Das Edgar Wallace Lexikon
06.05.2004
Spannendes Langzeitabenteuer
„Hier spricht Edgar Wallace!“- keine Frage, wer sich als echter Wallace Fan outet, der weiß um diesen Satz, der stets einen spannenden Fernsehabend versprach, und: immer noch verspricht, denn Wallace- Krimis sind Klassiker, absolut zeitlos und werden auch in hundert Jahren noch zum Buch- und Fernseh- Repertoire gehören.
Er habe Schuld gehabt an seinen ersten Kinoerlebnissen, sagt Autor Joachim Kramp über Wallace und sein Co- Autor ergänzt: „Sich in die große schwarzweiße Welt des Edgar Wallace...hineinzubegeben, war ein spannendes Langzeitabenteuer.“ Das mag man angesichts der Fülle zusammengetragener Fakten, Daten und Informationen auch wirklich nicht bezweifeln. Über 1800 Stichwörter füllen das Wallace Alphabet von A wie „Abenteuerroman“, bis zu jenem berühmten Film mit Klaus Kinski, Eddi Arent und vielen weiteren bekannten Schauspielern: „Der Zinker“.
Das Phänomen Wallace
Auf viele bekannte Details stößt man in dem Buch, liest Kurzbiografien berühmter Darsteller in Wallace- Filmen: Helmut Lange, Marianne Koch, Heinz Drache und Karin Baal, Joachim Fuchsberger, Siegfried Lowitz, Barbara Rütting und Dieter Borsche. Alle sind sie mit dabei und natürlich Brigitte Horney nicht zu vergessen. „Ich wollte einmal eine Mörderin spielen...Ich liebe das Rätselhafte, die Spannung, die aus dem Geheimnisvollen kommt.“ Zitate, Kritiken, Anmerkungen oder Anekdoten, wie abwechslungsreich und unterhaltsam ein Lexikon sein kann, das zeigt diese enorme und engagierte Fleißarbeit über das „Phänomen“ Edgar Wallace. Denn das ist dieser Mann sicherlich: der, den die meisten von uns mit Kriminalromanen in Verbindung bringen, schrieb auch über 1000 Kurzgeschichten, etliche Theaterstücke, 175 Romane, Essays, Zeitungsartikel und Drehbücher. Darüber, eben über dieses nicht so vom Rampenlicht erfasste Wallace- Leben gibt es viele Hinweise und Hintergründe in diesem Buch. Fotos und Filmplakate, Porträts und Schnappschüsse von Dreharbeiten illustrieren das Mammut und laden zum Blättern ein. Einfach war diese mehrjährige Recherche- Arbeit sicher nicht. „Über manche Facetten von Wallace‘ knapp 57jährigem Leben liegen Schleier des berühmten Londoner Nebels, die kaum mehr zu lüften sind.“
„Der Frosch mit der Maske“ und die Zensur
Streng an historische Fakten habe man sich gehalten, sagen die Autoren, das spricht für dieses Buch, dessen Ausstrahlung und Gesamteindruck dementsprechend seriös und distanziert sind. „Das Lexikon will ..nicht in Konkurrenz zur Regenbogenpresse treten.“ Bei Interviews, so erinnert sich das Autoren- Duo, habe man manchmal feststellen müssen, dass „sich die Gesprächspartner zwar gern an ihre Wallace- Zeiten erinnern, aber der Wert ihrer Erzählungen oft durch den Lauf der Zeit getrübt worden ist.“ 1875 wurde Wallace geboren, 1932 starb er in Hollywood. Viele Details auch aus dem persönlichen Leben machen das Lexikon zu einem runden Buch um einen Mann, der Jahrzehnte Fernseh- und Kinogeschichte geprägt hat. Aber auch Seitenaspekte sind erwähnenswert, beleuchten Zeit und Gesellschaft, in der Wallace seine Erfolge feierte: zum Beispiel die freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, FSK. „Der Frosch mit der Maske“, es war nicht leicht, diesen berühmten Film mit der Altersfreigabe ab 16 Jahren herauszubringen: „Die Nahaufnahme der Oberschenkel der Lolita in Verbindung mit dem frivolen Text des Chansons ‚Nachts im Nebel an der Themse, biet‘ ich dir das Paradies‘, darf nicht gemeinsam für das Publikum gezeigt werden.“
Barbara Wegmann
Joachim Kramp & Jürgen Wehnert: Das Edgar Wallace Lexikon Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag. 720 Seiten. Preis: 29,90 Euro. ISBN: 3896025082
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