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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:11

 

Polina Daschkowa: Lenas Flucht

05.07.2004

 
Auf der Flucht vor der Russenmafia

Das schon vor sechs Jahren geschriebene Debüt von Polina Daschkowa um die smarte Moskauer Journalistin Lena krankt an Klischees und einer unklugen Dramaturgie.


 

Im Nachthemd flieht die schwangere Lena aus einem russischen Provinzkrankenhaus. Die Ärzte wollten künstliche Wehen einleiten, weil ihr ungeborenes Kind angeblich tot ist, doch Lena spürt genau, dass sich in ihrem Bauch etwas bewegt. Als dann auch noch in ihre Wohnung eingebrochen wird und ein Krankenwagen sie durch ganz Moskau verfolgt, beginnt für die junge Kulturredakteurin ein Alptraum, der bis nach New York führt.

Zurück zu den Anfängen

Lena Poljanskaja ist bereits als Heldin aus Daschkowas Krimi Die leichten Schritte des Wahnsinns bekannt (auf Deutsch 2001 veröffentlicht). Dem Erfolg dieses Buches war es wohl zu verdanken, dass der Aufbau Verlag jetzt das bereits 1998 in Russland erschienene Debüt der Moskauer Autorin um die unerschrockene Journalistin nachreicht. Wir erfahren, wer der „Erzeuger“ von Töchterchen Lisa ist und wie Lena ihren Ehemann Oberstleutnant Sergej Krotow, Sonderermittler des Innenministeriums, kennen und lieben lernt.

Ansonsten zeichnet die oft als „Königin des russischen Kriminalromans“ gepriesene Autorin dasselbe Bild des neuen, postkommunistischen Russland. Skrupellose Geschäftsleute, korrupte Staatsbedienstete und dümmliche Kleinkriminelle beherrschen das Land, die Mafia schaltet und waltet wie sie will, Auftragsmorde sind an der Tagesordnung. Den zahlenmäßig überlegenen Bösen stehen die Guten gegenüber, allen voran der fürsorgliche Sergej und Lenas schöner Schutzengel Sweta, die immer bereit ist, wenn die Halunken der Heldin an den Kragen wollen.

Stereotypen und Ungereimtheiten

Reichlich klischeehaft geht’s also in Daschkowas Romanwelt zu. Dazu kommen jede Menge Ungereimtheiten und Zufälle. Wenig plausibel wirkt es, wenn eine Frau, die eben noch um das Leben ihres ungeborenen Kindes bangte, in ihrer Wohnung Einbruchsspuren findet und mysteriöse anonyme Anrufe bekommt, keine größere Sorge hat, als eine Übersetzungsarbeit zu erledigen. Und dass in Russland zig Millionen Menschen leben, mag man bei der Lektüre des Buches kaum glauben, denn irgendwie sind die meisten Figuren miteinander verbandelt. Auch den Killer, der auf sie angesetzt wird, kennt Lena nur zu gut.

Wie die Heldin ihren Verfolgern entkommen kann, wird schnell zum alleinigen Dreh- und Angelpunkt des Krimis. Denn unklugerweise löst Daschkowa das ursprüngliche Geheimnis des Buches um den versuchten Schwangerschaftsabbruch bei Lena schon nach 80 Seiten auf. Was dann noch bleibt, ist ein leidlich spannender Krimi mit schmonzettenhaftem Happy End. Dass sie mehr drauf hat, beweist die Autorin in späteren Romanen wie Die leichten Schritte des Wahnsinns und Russische Orchidee, wo sie zwar auch nicht mit Stereotypen spart, aber durch ausgefeiltere Erzählkonstruktionen zu fesseln vermag.

Karin Scharschmied


Polina Daschkowa: Lenas Flucht.
Aus dem Russischen von Helmut Ettinger.
Aufbau Taschenbuch Verlag 2004.
233 Seiten. 7,95 Euro.
ISBN 3-7466-2050-3.

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