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Christine Grän: Marx, my love

26.07.2004

 
Auf Stöckelschuhen im Berliner Sumpf

Ein neuer Fall für Anna Marx: Kurz vor ihrem 50. Geburtstag ermittelt die ehemalige Bonner Klatschreporterin in der Berliner Filmszene. Mit lakonischem Witz erzählt der Krimi von der Welt der Reichen und Schönen, in der Erpressung, Mord und Totschlag regieren.

 

Anna Marx lebt! Lange Jahre war es still um die Bonner Klatschreporterin und Heldin der TV-Serie Auf eigene Gefahr, jetzt taucht sie in Berlin wieder aus der Versenkung auf. Üppige Rundungen, rote Haare, eine Schnodderschnauze und jede Menge Laster hat Anna Marx wie eh und je. Aber ihren Job bei der Zeitung konnte sie dank einer Abfindung an den Nagel hängen und schlägt sich nun als Privatdetektivin in Deutschlands Hauptstadt durch.

Leichen zum Geburtstag

Untreue Ehemänner und entlaufene Katzen sind die Spezialität von Anna Marx, bis eines schönen Tages Rosi Stark in ihrem schäbigen Büro steht. Die reiche Filmproduzentin macht Private Eye Marx ein lukratives Angebot. Sie soll den Drehbuchautor Harry Loos observieren, von dem sich Rosi Stark nach einem Streit um sein Honorar bedroht fühlt. Widerwillig übernimmt Anna den Auftrag. Die arrogante Rosi ist ihr zutiefst unsympathisch, aber das Geld lockt. Schließlich will sich die Detektivin über ihren nahenden 50. Geburtstag mit neuen, sündhaft teuren Stöckelschuhen hinwegtrösten.

Kurz darauf wird Rosi Stark auf der Toilette eines Nobelrestaurants hinterrücks mit einer versilberten Klobürste erschlagen. Und weil die Filmproduzentin keine Skrupel kannte, gibt es viele Verdächtige: Harry Loos kommt als Täter in Frage, aber auch Rosis koksender Ehemann, ihre maskenhafte Assistentin und all die anderen, die Rosi mit Lug, Betrug und Erpressung schachmatt setzte. Als dann Harry spurlos verschwindet und ein weiterer Mord passiert, sinkt Anna Marx mit ihren geliebten High Heels tief ein in den Sumpf der Berliner Filmszene.

Zwischen Glamour und Gosse

Zum Ende hin geht der Geschichte etwas der Saft aus, weil Christine Grän den Spannungsbogen nicht halten kann. Ihre bissige Satire auf die Filmwelt und der glänzende Sprachwitz des Buches entschädigen jedoch für einige zähe Momente. Gelungen ist auch der Kontrast zwischen den hohlen Schicki-Mickis und den liebenswerten schrägen Vögeln, die am Rande der Gesellschaft leben. „Eigentlich-Menschen“ nennt die Heldin jene verkrachten Existenzen, die sich als Taxifahrer, Kellner oder Nutte über Wasser halten, aber „eigentlich“ Schriftsteller, Fotograf oder Schauspieler sind. Mittendrin Anna Marx, eine Frau mit großem Herzen und kleinem Bankkonto, die eine Ladenhüterin auf dem Liebesmarkt ist, aber von ihrem Märchenprinzen träumt.
Auf eine Verfilmung der bizarren Story darf man gespannt sein. Aber bitte nicht wieder mit der fehlbesetzten, weil viel zu dürren und vornehm daherkommenden Thekla Carola Wied als Anna Marx. Bis dahin lohnt es sich allein schon für Sätze wie „Berlin ist ein Dorf, das von einem Friseur regiert wird, der dem Kanzler nicht die Haare färbt“, das Buch zu lesen.

Karin Scharschmied


Christine Grän: Marx, my love.
C. Bertelsmann Verlag 2004.
Gebunden. 256 Seiten. 19,90 Euro.
ISBN 3-570-00624-7

 

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