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Patricia Cornwell: Die Dämonen ruhen nicht

01.08.2004


Alles stehen und liegen lassen

Mit Kay Scarpetta hat Patricia Cornwell, die zur internationalen Spitze der Thriller-Autorinnen gehört, vielfach ausgezeichnet wurde und auf Bestseller-Listen zu Hause ist, eine rundum glaubhaft sympathische Frau geschaffen.

 

Vorgeschichte

„Ihre vor Angst weit aufgerissenen Augen schimmern in der Dunkelheit. ...Rücksichtsvoll, ja sogar zärtlich hat Jay ihr Handgelenke und Knöchel nur locker gefesselt, so dass ihr das gelbe Nylonseil nicht das Blut abschnürt.“ Fast den Atem schnürt es einem ab, so spannend und wieder mitten ins Thriller-Herz treffend kommt der neue Kay-Scarpetta-Roman daher. Schon die letzten Romane der in der Gerichtsmedizin bewanderten Reporterin, Journalistin und Autorin Patricia Cornwell waren die absolute Top-Spannung. Immer wieder war das Leben der sympathischen Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta gefährdet. Ihren Job in Virginia hat sie verloren, sie arbeitet nun als private Beraterin in Florida. Den Tod ihres Geliebten Benton Wesley hat sie immer noch nicht überwunden und ihr Leben ist immer noch nicht wieder in ruhigem Fahrwasser. „Kein Tag vergeht, an dem sein Schicksal nicht ihr Leben überschattet.“

Auch der zum Tode verurteilte Mörder Jean-Baptiste Chandonne ist kein Unbekannter im neuen Buch. Nun wendet er sich vom Gefängnis aus in einem Brief an Kay Scarpetta und bietet Hilfe an: Ein Serienmörder in Baton Rouge hat mittlerweile 10 Frauen auf dem Gewissen, die Ermittler tappen im Dunkeln. Jean-Baptiste will Hinweise geben, aber unter der Bedingung: Kay Scarpetta soll ihm die Todesspritze setzen.

Verbrechen

Zehn Frauen wurden ermordet – zehn Frauen, die der Gerichtsmedizinerin auffällig ähnlich sehen. Immer wieder mordet der Serienkiller, „in der Hoffnung, dass sich ihr Körper irgendwann in den von Kay Scarpetta verwandelt.“ Bestialische Besessenheit. Ein fesselnder Roman, der einem auch nicht eine Seite lang eine etwas entspannte Haltung gönnt.
Mit dieser Kay Scarpetta hat Patricia Cornwell, die zur internationalen Spitze der Thriller-Autorinnen gehört, vielfach ausgezeichnet wurde und auf Bestseller-Listen zu Hause ist, eine rundum glaubhaft sympathische Frau geschaffen. Ehrgeizig, von ihrem Beruf nahezu besessen. „Im Leichenschauhaus hingegen sprechen meine Patienten sehr leise und verzeihen es mir nicht, wenn ich die Ohren nicht spitze und alles, was möglich ist, über sie herausfinde.“ Eine Frau voller Gefühle und Sorge. Dennoch: „In der Welt der Strafverfolgung und in Justizkreisen war sie eine Legende und wirkte auf einige Menschen unnahbar und kalt.“ Teamfähig, kollegial, aber auch ein Einzelkämpfer und wenn es sein muss, gegen alle Regeln handelnd.

Versuchung

Zugegeben, die Spannung ist so hochkarätig, dass man versucht ist, schon mal kurz die letzten Seiten zu überfliegen, aber: Finger weg, die Geschichte ist jeden Satz und jede Seite wert. Die Kapitel sind kurz, die Szenen wechseln häufig, ein erfolgreiches und klassisches Mittel, Geschichte, Spannungsbogen und Aufmerksamkeit auf einem möglichst hohen Niveau zu halten. Sachlich und manchmal regelrecht nüchtern schreibt Patricia Cornwell. Sie gibt sich nur mit den wichtigsten Dingen ab, keine überflüssigen atmosphärischen Schmusereien, keine Nebenschauplätze, die von der Haupthandlung unnötig ablenken und den Blick auf den Gang der Geschichte verwässern. „Jay betrachtet die nackte Haut seiner Gefangenen, blass und glänzend vom Insektenschutzmittel, ein kleiner Akt der Menschlichkeit seinerseits; Grund dafür ist sein Ekel vor roten Schwellungen.“ Bei diesem Thriller läßt man alles stehen und liegen.

Barbara Wegmann


Patricia Cornwell: Die Dämonen ruhen nicht
Ein Kay-Scarpetta-Roman
Verlag Hoffmann & Campe
Gebunden. 463 Seiten. 22,90 Euro.
ISBN: 3455010210

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