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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:11

 

Nicci French: Der falsche Freund

02.08.2004

 
Szenario der Angst

Zunächst ist es nur eine Respektlosigkeit, dann wird die Sache ernster. Wie reagiert man, wenn ein Mensch einfach nicht mehr aus dem eigenen Leben verschwinden will? Um diese Frage herum hat Nicci French einen gelungenen Psychothriller geschrieben, der den Leser die Angst der Ich-Erzählerin stets miterleben lässt.

 

Miranda heißt die Ich-Erzählerin, selbstbewusst und unabhängig, praktisch veranlagt in der Liebe und in ihrem Job. Beim Schlittschuhlaufen lernt sie Brendan kennen, ein gut aussehender, aber merkwürdiger Mensch, wie sich bald herausstellt. Denn schon nach kurzer Zeit fühlt er sich in Mirandas Leben ganz heimisch. Als Miranda eines Abends von der Arbeit nach Hause kommt, findet sie Brendan in ihrer Wohnung, wie er ihre Tagebücher liest. Kurzerhand wirft sie ihn hinaus.

Die Klette

Miranda möchte nur eins: diesen Brendan vergessen. Leider möchte Brendan das nicht. Auf diesem Spannungsmotiv baut Nicci French den ganzen Roman auf. Brendan ist ein Psychopath, der keine Grenzen kennt und der im Folgenden über Mirandas Familie hinwegtrampelt: ein paar Wochen später hat ihre Schwester Kerry einen neuen Freund. Wir ahnen schon, wer es ist: Brendan. Mutter, Vater und der leicht behinderte Bruder Troy sind gänzlich von seinem Charme eingenommen, denn er versteht es, die Menschen zu blenden. Und das Unglaubliche geschieht: er erzählt, dass er mit Miranda Schluss gemacht habe, verlobt sich nach kurzer Zeit mit Kerry, macht aber gleichzeitig Miranda obszöne Angebote. Langsam saugt Brendan ihr soziales Umfeld förmlich auf und macht auch vor ihrer besten Freundin nicht halt. Dann müssen zwei Menschen auf tragische Weise ihr Leben lassen, doch nur Miranda ahnt, dass Brendan dahintersteckt.

Die Angst

Nicci French versteht es, ein Szenario der Angst aufzubauen. Der Leser erlebt, wie Brendan sie zerstören möchte, wie er so subtil und raffiniert ihr soziales Umfeld aushöhlt, dass es zusammenbrechen muss. Und keiner merkt etwas. Das ist das Bedrohliche an diesem Szenario: Miranda steht ganz alleine da, keiner glaubt ihr, dass Brendan ein gefährlicher Psychopath ist, ja man zweifelt vielmehr an ihrem Geisteszustand. Im Verlauf der geschickt aufgebauten Handlung fiebert der Leser auf jeder Seite mit ihr mit, ob sie aus ihrer Opferrolle herauskommt und ob Brendan doch noch seiner gerechten Strafe zugeführt wird. Ein spannender und gelungener Psychothriller!

Frank Kaufmann


Nicci French: Der falsche Freund.
C. Bertelsmann 2004.
Gebunden. 384 Seiten. 19,90 Euro.
ISBN 3-570-00751-0

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