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Alexander McCall Smith: In Edinburgh ist Mord verboten

08.11.2004

 
Professoren-Krimi

Der Krimi aus Edinburgh ist eigentlich gar keiner, denn ein Toter macht noch keinen Krimi aus. Für Philosophieliebhaber und Schottlandfans liefert McCall Smith jedoch ganz guten Lesestoff.


 

Isabel Dalhousie ist Anfang vierzig und lebt alleine in einer viktorianischen Villa. Um Geld braucht sie sich keine Sorgen zu machen, sie hat Zeit für Philosophie und Musik. Nach einem Konzert beobachtet sie, wie ein junger Mann vom Balkon in der Usher Hall in die Tiefe stürzt. Er ist sofort tot. Da sie die letzte Person ist, die er während seines Falls angesehen hat, fühlt sie sich verpflichtet, die Umstände dieses Unglücks aufzuklären. Je mehr sie erfährt, desto stärker wird ihr Verdacht, es könnte sich um Mord handeln.

Der Autor lebt in Edinburgh und versucht in diesem Roman das Lokalkolorit seiner Heimatstadt einzufangen. Dabei legt er seiner Hauptfigur Isabel die üblichen Beschreibungen in den Mund: Natürlich ist die Stadt zu klein („es war unmöglich, in Edinburgh auszugehen, ohne einen Bekannten zu treffen“), aber irgendwie doch liebenswert. Schließlich handelt es sich um eine aufblühende Kulturstadt.
Das Leben der Figuren ist modern und aufgeschlossen und steht in gewissem Widerspruch zur moralischen Ordnung der Stadt. Da leben junge Frauen ganz selbstbewusst alleine ohne Mann und wohnen schwule Männer zusammen. Natürlich passt in die gelehrte, kunstsinnige Welt Isabels keine beengende Ehe mit lästigen Kindern. So kleinkariert die Personen in der Stadt gezeichnet werden, so offen versucht Isabel zu leben. Die so genannten feinen Kreise Edinburghs sind ihr selbstverständlich unsympathisch.

Wissensvermittlung statt Spannung

Wenn Professoren Romane schreiben, können Professorenromane entstehen, die voll gestopft sind mit Bildung. Jede Seite, jeder Absatz, ja jeder Satz soll zeigen, wie viel Wissen der Autor hat. Alexander McCall Smith ist jedenfalls philosophisch gebildet, so viel steht schon nach der Lektüre der ersten Seiten fest. Nicht umsonst hat er sich eine Philosophin als Hauptperson ausgesucht. Und zwar nicht irgendeine Philosophin, sondern eine Frau, die es sich leisten kann, hauptberuflich zu philosophieren und nicht einmal von einer Wissenschaftsinstitution dafür bezahlt wird. Sie gibt eine philosophische Fachzeitschrift heraus, die „Zeitschrift für angewandte Ethik“ und organisiert einen Club der Sonntagsphilosophen. Ihr Erbe reicht für ein angenehmes Leben aus und sie kann nach Lust und Laune jede Situation, jede Person, jede Begebenheit philosophisch beurteilen. Sogar wenn es um so intime Geheimnisse wie sexuelle Gewohnheiten geht, kann sie Bertrand Russell oder A. J. Ayer heranziehen. Der Tod ist sowieso ein willkommenes Thema für alle philosophisch Interessierten. Isabel denkt über die Zufälligkeit und die Unausweichlichkeit des Todes nach.

McCall Smith spielt Fagott im „Wirklich Schlechten Orchester“, das er selbst gegründet hat. Er ist Musikliebhaber durch und durch und hat einiges Wissen anzubieten, das er seinen Lesern nach und nach unter die Nase reibt. Damit die Wissensvermittlung klappt, hat er seine Hauptfigur mit vielen musikalischen Kenntnissen ausgestattet. Isabels Theorie über die (Un-) Möglichkeit in Schottland Stockhausen zu spielen, beweist, dass sich der Autor in der Musik nicht nur auskennt, sondern auch ganz klare Vorstellungen und Meinungen hat.

„In Edinburgh ist Mord verboten“ trägt nicht umsonst den Untertitel „Miss Isabel und der Club der Sonntagsphilosophen“, denn der Roman ist als erster Teil einer Serie mit Isabel konzipiert.
Wer den Roman fertig gelesen hat, weiß, dass der Autor sehr gelehrt ist. Zeitweise ist der Text sehr informativ, zeitweise amüsant, doch zu keinem Zeitpunkt gelingt es, die Hauptfigur wirklich als eine vom Autor losgelöste Person darzustellen. Isabel ist nichts anderes als das Alter Ego des gelehrten Professors McCall Smith.

Maria-Bernadette Ehrenhuber


Alexander McCall Smith: In Edinburgh ist Mord verboten.
Miss Isabel und der Club der Sonntagsphilosophen.
Roman. Aus dem Englischen von Thomas Stegers
Blessing 2004.
Gebunden. 288 Seiten, 16 ¤.
ISBN 3-89667-263-0

 

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