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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:13

 

Tony Hillerman: Dachsjagd

16.02.2004





Viel Money im alten Bergwerk




 

Joe Leaphorn, den pensionierten ehemaligen Beamten der Navajo Tribal Police, lässt seine Vergangenheit nicht los. Obwohl schon länger im Zivilistenstand, mischt er sich in einen neuen Fall im Ute-Reservat ein, der auf den ersten Blick als gewöhnlicher Kasinoraubüberfall mit tödlichem Ausgang erscheint. Die Wirklichkeit aber ist meistens nicht so, wie sie auftritt. Das gilt auch im richtigen Indianerleben.

Für die Dachsjagd eignet sich besonders gut die Hunderasse der Terrier. Das begreift im Laufe der Handlung auch Jim Chee, der nach seinem Alaskaurlaub im Polizeialltag mit diesem unangenehmen Fall konfrontiert wird. Als Dachs eignet sich Joe Leaphorn, der, umsichtig, intelligent, erfahren und neugierig, ungefragt das Heft in die Hand nimmt und sogar dem übermächtigen FBI in die Quere kommt. Zu dessen Wohl. Denn die haben sich schon einmal, vor ein paar Jahren in derselben Gegend, bis auf die Knochen blamiert.

Sitten und Gebräuche der nordamerikanischen Indianer spielen im Roman des mit Preisen überhäuften Autors Tony Hillerman eine große Rolle. Die Identifizierung mit dem Leben seiner oft verfolgten Landsleute schaffen eine eigene Atmosphäre, die tief in die erfundene Familiengeschichte des Räubers Ironhand hineingreift. Die groß angelegte Suchaktion (besonders die schreit immer „Verfilmung, Verfilmung“) wirft Fragen auf, die die Flucht der Gangster in einem neuen Licht erscheinen lassen. Und die Antworten darauf sind ohne die Kenntnis indianischer Lebensweisen und indianischer Mythologie nicht möglich.

Schon lange ist bekannt, dass Indianer hervorragende Spurenleser sind. Die Spuren der Flucht sprechen eine andere Sprache als sie der Tathergang offenbart. Denn Ironhands Vater war vor gut einem Jahrhundert selbst ein gesuchter Verbrecher namens Ironhand, der sich die Canyon-Landschaft zu seinem Nutzen formte. Eine alte Ute-Indianerin erzählt von Ironhands Fähigkeiten, plötzlich von einem Ort zu verschwinden und in kürzester Zeit an einem anderen aufzutauchen. Hier liegt einer der Schlüssel zur Aufklärung des Falles. Joe Leaphorn hält diesen Schlüssel plötzlich in der Hand und kann Jim Chee vom Gebrauch dieses Schlüssels überzeugen.

Tony Hillerman erzählt in seinem neuen Roman „Dachsjagd“ spannend, logisch konstruiert und unterhaltsam eine Krimistory, die frei von blutrünstigem Aktionismus einen Blick in die vergangene und gegenwärtige Kultur der Indianer gestattet. Überraschende Wendungen und im Nachhinein offensichtliche Zusammenhänge überzeugen auf ganzer Linie.


Klaus Hübner

 


Tony Hillerman: Dachsjagd. Deutsch von Fried Eickhoff. Rowohlt Verlag. 2001. Gebunden. 256 Seiten. ¤ 19,90. ISBN 3 498 02958 4.

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