Unsanft befördert Herrchen Gustav den detektivisch talentierten Kater Francis an die frische Luft und löst damit im vierten Katzenkrimi von Akif Pirinçci eine ereignisreiche Kriminalstory aus.
Grob gesagt: es geht um Tierschutz. Die Einzelheiten, die das Grobe füllen, zeigen ein brutales, unmenschliches, respektloses Handeln weltweit organisierter Gruppen, deren Unmoral jede Vorstellungskraft spielend übertrifft. Scharfzüngig setzt Francis herum(f)liegende Mosaikteile aneinander und kommt einem heimtückischen Komplott auf die Schliche. Anfangs glaubt man noch, Pirinçci bediene sich eines klugen Tricks, um peu á peu seinen altgedienten Helden gegen einen neuen, unverbrauchten Kater namens Adrian (für neue Buchpläne?) ins Geschehen einzuführen. Gnadenlos spielt er mit dem nachlassenden Elan von Francis, in dem er dem Kater deutlich macht, dass dessen Zeit wohl abgelaufen ist. Damit scheint er aber eine falsche Fährte gelegt zu haben. Wirklich?
Francis hat in den drei Jahren seiner literarischen Abwesenheit nichts vom Spürsinn und vom Aufklärungswillen verloren. Akif Pirinçci gelingt es, in einem spannend-humoristischen Kriminalroman eine Branche an den Pranger zu stellen, die aus Profitgier vor nichts zurückschreckt. Durch seine kompromisslose Parteinahme ist der Roman mehr als nur kurzweilige Unterhaltung. Er entwickelt sich zu einer Anklageschrift gegen brutale Tierquäler und gedankenlose Konsumenten, gegen eine ignorante Politik und gleichgültig schweigende Massen. Die vom Autor gezeichneten Charaktere, menschliche wie tierische, zeigen ein deprimierendes Bild der rücksichtslosen Gegenwart, in der fast alles zu rechtfertigen ist, was irgendwie mit wirtschaftlichem Profit zusammen hängt. Laborversuche mit den Tieren für neues Katzenfutter beleuchten die unheimliche Allianz zwischen Laboratorien und der Futtermittelindustrie. Gentechnik und DNA-Hysterie setzen dem Ganzen die Krone auf.
Gute Katzen, schlechte Katzen. Dem ersten Katzenopfer, das erhängt an einem Wasserkran gefunden wird, folgen weitere. Verdächtigungen wechseln wie das Wetter, und plötzlich ist jederkatze und jedermann im Visier des vierbeinigen Meisterdetektivs. Doch der blickt lange auch nicht durch. Pirinçci versteht es nämlich hervorragend, ständig neue Spuren zu legen, die plötzlich bisher als falsch interpretierte in einem anderen Licht erscheinen lassen. Geschickt verbindet Pirinçci die Aktivitäten der Menschen aus Katzensicht. Die (tierische) Logik der Vierbeiner unterschiedlicher Rassen erinnert etwas an das ewige Duell zwischen den Kontrahenten George Smiley und Clara in den Spionageromanen des britischen Autors John Le Carré. Auch da wimmelt es von falschen Fährten und richtigen Beobachtungen.
Der Mörder ist nie der Gärtner. Nein. Es ist der mit den größten materiellen Interessen oder der mit dem wahnwitzigsten Idealismus. Ob Katze oder Mensch ist dabei zweitrangig. Akif Pirinçci hat erreicht, dass ab sofort die Katzen in der Nachbarschaft mit anderen Augen, vorsichtiger und aufmerksamer, betrachtet werden.
Textauszug:
„Es ist der falsche Zeitpunkt fürs Detektivspielen. Die Schuldigen sind unbesiegbar, mein Freund, es würde überhaupt nichts bringen, sie zu stellen. Halt dich bitte heraus, geh nach Hause und laß mich meine Arbeit tun!“
Klaus Hübner
Akif Pirinçci: Das Duell. Ein Felidae-Roman. Eichborn Verlag. 2002. Gebunden. 271 Seiten. ¤ 19,90