Alain Demouzon: Der tote Detektiv
17.01.2005
Ein neuer Fall für Kommissar Melchior
Der französische Krimiautor Alain Demouzon setzt erneut seinen Kommissar Melchior in Szene. Zu dem ruhigen Typen mit Dufflecoat und Tweedhut, der stets eine große Beharrlichkeit an den Tag legt, passt die unaufgeregte Prosa, mit welcher der fein gesponnene Plot gefüllt wird.
Kaum ist Kommissar Melchior aus der Bretagne zurückgekehrt, wo er seinen letzten Fall gelöst hat, wird er auch schon in das Polizeipräsidium von Paris zitiert, wo sein Vorgesetzter ihm Versagen und Überschreitung seiner Kompetenzen vorwirft. Man rät ihm, in einer vertraulichen Angelegenheit zu ermitteln: Eine Frau mache einem hochrangigen Mitglied der Polizei Schwierigkeiten und Melchior solle nach ihr suchen – privat und ganz diskret, versteht sich. Zur gleichen Zeit findet die Polizei in einem verfallenen Einkaufszentrum in Fontenay einen Toten. Einziger Hinweis: ein Schlüsselbund und ein Damenslip. Auch dort ermittelt der sympathische Typ im Dufflecoat – nun aber ganz offiziell. Nach einer Weile merkt Melchior, dass beide Fälle zusammengehören und dass sich Abgründe hinter hohen Polizeibeamten und in den Köpfen der Justiz auftun – sein unbedingter Sinn für Wahrheit und Gerechtigkeit, zu dem immer eine gewisse Verachtung der Polizei gehört, wird auf eine schwere Probe gestellt.
Unaufgeregte Prosa und fein gesponnener Plot
Der Kriminalroman „Der tote Detektiv“ erzählt zwei Fälle, die aufeinander zulaufen, langsam aber unvermeidlich – dann kommt der Crash. Dennoch entwickelt sich eine eher untergründige Dramatik, die durch die präzise gezeichneten Charaktere gestützt wird. Man muss ihn natürlich mögen, den depressiven Kommissar Jean-François Melchior, der durch den Herbstnebel stapft und immer wieder mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. Kein Erzählen in Dur, vielmehr eines in Moll erwartet hier den geneigten Leser, der statt Action eine eher düstere Atmosphäre serviert bekommt. Lässt man sich aber auf die ausgefeilte Prosa ein, die immer noch für das Krimigenre im positiven Sinne eher ungewöhnlich ist, so erwartet den Leser Krimigenuss der besonderen Art. Alain Demouzon schickt seinen speziellen Kommissar nach „Das gestohlene Kind“ und „Der ungeklärte Mord“ hier erneut ins Rennen – noch ein wenig depressiver und hintergründiger. Daher erwarte auch keiner, dass die Ermittlungen zügig vonstatten gehen. „Immer mit der Ruhe“ ist das grundlegende Motto Melchiors, der sich auch hier wieder durchbeißen muss – trotz aller inneren wie äußeren Widerstände. Lehnen Sie sich also zurück und machen Sie es sich in einem Sessel bequem.
Frank Kaufmann
Alain Demouzon: Der tote Detektiv.
Ein Fall für Kommissar Melchior
Roman. Aus dem Französischen von Michael von Killisch-Horn
München: Blanvalet 2004,
Taschenbuch, 448 Seiten, ¤ 8,90, ISBN 3-442-36124-9