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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:16

 

Ian Rankin: Die Kinder des Todes.

24.01.2005

 
Einsamer Ermittler kämpft mit eigener Psyche

Ein Schussattentat mit drei Toten und ein Krimineller, der in seiner Wohnung verbrennt, machen dem melancholischen Detective Inspector John Rebus zu schaffen.

 

Ein Blutbad in der Schule wirkt immer. Sei es in Littleton, Dunblane, Erfurt in Deutschland oder Zöbern in Österreich. Fernsehen und Tageszeitungen berichten jedes Detail, Betroffenheits-Talkshows schlachten das Thema aus, Psychologen analysieren und Oppositionspolitiker fordern Maßnahmen.

Unverständlicher Amoklauf in einer Schule

Der schottische Bestsellerautor Ian Rankin widmet sich in seinem soeben auf Deutsch erschienenen Krimi diesem reißerischen Thema. Ein ehemaliger Elitesoldat geht in eine Schule in der Kleinstadt South Queensferry, schießt auf drei Jugendliche und richtet sich dann selbst. Der einzige Überlebende des Dramas kann nicht viel zur Auflösung des Rätsels beitragen. Warum nur hat Lee Herdman gerade diese drei Personen ausgewählt? Es sieht alles nach Zufall aus. Die Tat eines wahnsinnigen Ex-Mitglieds der Special Air Forces. Detective Inspector John Rebus wird nicht zuletzt deswegen dem Fall beigezogen, weil auch er ein ehemaliger Elite-Soldat ist. Als gescheiterter Militärmann soll er helfen, die Psyche des Täters Herdman zu erhellen. Denn der Tathergang scheint festzustehen. Offen ist nur mehr die Frage nach dem Motiv. Vielleicht hängt die Bluttat ja doch mit einer unglücklichen Liebesgeschichte, mit Waffenschieberei oder mit dem Geheimdienst zusammen.

Leicht sind die Nachforschungen nicht. Es stellt sich heraus, dass Rebus mit einem Opfer entfernt verwandt ist. Und die Politik mischt auch mit: Der Vater des einzigen überlebenden Opfers ist ein engagiertes Parlamentsmitglied, das die Tat als Anlass für eine Kampagne gegen Schusswaffen nimmt. Außerdem taucht eine ziemlich aufdringliche Militärermittlerin mit ihrem Gehilfen auf. Rebus hat sie in Verdacht, möglichst viele Fakten verdecken zu wollen, damit nur ja kein schlechtes Licht auf das Militär fällt.

Ermittlungen gegen den Ermittler

Die Ermittlungen treffen Rebus in einem schlechten Augenblick, denn gegen ihn selbst wird auch gerade wegen Mordverdachts ermittelt. Er soll den Kriminellen, der seine Kollegin Siobhan Clarke verfolgt hatte, in einer brennenden Wohnung eingesperrt haben. Gekonnt gelingt es dem Autor durch diesen zweiten Strang Spannung zu erzeugen. So klar nämlich das Blutbad in der Schule zu sein scheint, so unsicher ist die tatsächliche Verwicklung Rebus in dem zweiten Fall. Alles deutet auf ihn als Täter. Ganz ausschließen kann man als Leserin und Leser nicht, dass Rebus den gemeinen und brutalen Verfolger seiner Kollegin nicht doch um die Ecke gebracht hat. Zumindest aus Notwehr oder im Affekt.

Zusätzlich macht Rebus die Aufarbeitung seiner eigenen Militärvergangenheit zu schaffen. Jedenfalls ist John Rebus tief in die beiden Fälle verwickelt. Eine bekannte Masche: Der Held wird von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt, er ist selbst betroffen. Viele Krimischriftsteller verwenden diese Methode, um die Psyche ihrer Hauptfigur auszubreiten. Weder der Plot mit dem Attentat in der Schule, noch die Involvierung des Ermittlers ist besonders innovativ. Und trotzdem gelingt es Ian Rankin wieder einmal, einen ganz besonderen Krimi zu schreiben. Durchdacht, gut aufgebaut, fesselnd und wie immer gut geschrieben.

Der Held John Rebus garantiert Bestseller

Die Figur des John Rebus ist gelungen. Nicht umsonst brachte sie dem schottischen Autor Rankin auf die britischen Bestsellerlisten und beschert ihm auch im deutschen Sprachraum schön langsam sowohl gute Kritiken als auch ebensolche Verkaufszahlen. Bisher hat der geborene Schotte 21 Romane geschrieben, in den meisten ist John Rebus die Hauptfigur.
Detective Inspector Rebus ist ein nicht mehr ganz so junger Kriminalpolizist, der in der Stadt Edingburgh tätig ist. Rebus heißt Rätsel. Der einsame Inspector bleibt auch für seine Fans, die ihn seit seinem ersten Fall (Knots and Crosses, 1987) kennen, immer ein wenig rätselhaft. Er ist ein Einzelgänger, trinkt zu viel und scheint ziemlich einsam zu sein. Mit seinem extremen (vielleicht sogar schon übertriebenen?) Gerechtigkeitssinn stürzt er sich regelmäßig in die Arbeit. Es gibt nichts, dass ihn davon abhalten könnte, keine Frau und so gut wie keine Freunde. Rebus lebt alleine, sieht seine Tochter beinahe so selten wie seine geschiedene Frau und er geht eigentlich nur mit seiner Kollegin Clarke ins Pub. Trinken kann man schließlich auch alleine. Nicht nur die Angehörigen der Toten sind gebrochene Menschen. Auch John Rebus ist einer, und das nicht erst seit diesem Roman.

Es ist sicher überflüssig, dem Erfolgsautor Rankin noch mehr Leserinnen und Leser zu wünschen, denn seine Fangemeinde wächst ohnehin ständig. Verdientermaßen!

Maria-Bernadette Ehrenhuber


Ian Rankin: Die Kinder des Todes. Krimi. Manhattan (bei Goldmann) 2004.
Übersetzt von Claus Varrelmann.
Gebunden. 544 Seiten. 22,90 ¤.
ISBN: 3-442-54550-1



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