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Volker Klüpfel und Michael Kobr: Milchgeld

28.02.2005

Mordsschweinerei im Milchwerk

Saftige Wiesen, glückliche Kühe und dann ein Mord. In einer Allgäuer Kleinstadt ist die Idylle dahin, der kauzige Kommissar Kluftinger nimmt die Spuren auf. Der Debütkrimi „Milchgeld“ von Volker Klüpfel und Michael Kobr hat Charme und Witz, aber auch die Bodenständigkeit eines Bienzle-Krimis.

 

Eingefleischte Allgäu-Fans werden ihre helle Freude haben: Mit viel Lokalkolorit, einem kauzigen Kommissar und Nebenfiguren, die man gemeinhin als Originale bezeichnet, statten Volker Klüpfel und Michael Kobr ihren Krimi „Milchgeld“ aus. Der Debütroman des Autorenduos spielt in Altusried, einer beschaulichen Kleinstadt nordwestlich von Kempten, in der noch nie ein Mord passiert ist. Bis Philip Wachter, Lebensmittel-Designer im wenige Kilometer entfernten Milchwerk, erdrosselt wird. Kommissar Kluftinger, ein Mittfünziger mit Knollnase, schütterem Haar und kantigem Charme, nimmt die Ermittlungen auf - und stößt auf einen handfesten Skandal.

Behäbig wie Bienzle

A bisserle behäbig wie ein Bienzle-„Tatort“ oder „Der Bulle von Tölz“ kommt der Krimi daher. Kommissar Kluftinger, ein Held ohne Vornamen, hasst Worte wie „checken“ oder „Flipchart“ (für ihn: „die Tafel mit Papier drauf“) und hat sein liebes Kreuz mit den Frauen in seiner Familie. Gattin Erika möchte so gerne was Besseres sein und ihrem „Butzi“ statt einer zünftigen Brotzeit mal eine exquisite Muschelsuppe mit Safran servieren, für seine Mutter ist Kluftinger immer noch der „Bub“, dem man die Wäsche machen muss.

Dass sie die gediegene Atmosphäre hier wie auch an anderen Stellen auf die Spitze treiben, Spießbürgerlichkeit, Kleinstadtmief und pseudo-weltmännisches Gehabe gekonnt ironisieren, muss man den Autoren zu Gute halten. Köstlich auch die Szene, als die alte Lutzenberg dem Kommissar bei subtropischen Temperaturen einen Holunder- und Lindenblütentee aufbrüht („gut für die Nieren, weil man gut schwitzt“).

Zudem motzen Seitenhiebe auf den knallharten Konkurrenzkampf in der Lebensmittelindustrie das Buch auf. Wer da als Molkerei keine „ultraleichte Weichkäselinie mit grünem Spargel und Ruccola“ im Angebot hat, ist schnell aus dem Geschäft – Parallelen zu Großbetrieben wie Müller-Milch tun sich auf.

Trotzdem: Ob der Krimi mit seinem betont bajuwarisch-schwäbischen Personal auch bei „Nordlichtern“ ankommt, bleibt abzuwarten. Ärgern werden sich auf jeden Fall alle, die genau lesen. Die häufige Kleinschreibung der persönlichen Anrede „Sie“ und der entsprechenden Possessivpronomen in der direkten Rede ist nervig. Ein weniger schlampiges Lektorat wäre schön gewesen.

Karin Scharschmied


Volker Klüpfel und Michael Kobr: Milchgeld.
Piper Verlag 2005,
Taschenbuch. 310 Seiten. 8,90 Euro.
ISBN 3-492-24216-2.

 

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