Kennzeichen T - 25.05.2012 Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 22:16

 

Peter Clement: Der Kreis der Angst.

07.03.2005

 
Stammzellenforschung und Effekte

Der Medizinthriller „Der Kreis der Angst“ setzt auf atemberaubende Effekte, handelt von geheimen Menschenversuchen und von einem religiösen Fanatiker. Leider bleiben die Charaktere flach und die Handlung verliert ihre Glaubwürdigkeit.

 

Das Versprechen auf dem Buchcover scheint zunächst eingelöst zu werden: „Ein atemberaubendes Buch über die Abgründe der modernen Medizin“, so urteilt Newsweek. Und tatsächlich nimmt der Leser zunächst Anteil an dem Schicksal der Genforscherin Kathleen, die nach einer Gehirnblutung in ein New Yorker Krankenhaus eingeliefert wird. Dort kaum angekommen, wird sie, hilflos und gelähmt, von dem Chefarzt der Neurochirurgie behandelt. Ihr Freund, selbst Arzt in der Notaufnahme, glaubt sie in guten Händen, bis offenbar wird, dass merkwürdige Versuche mit ihr gemacht wurden. Mehr und mehr bestätigt sich der Verdacht, dass sie kein Einzelfall war, denn offenbar gibt es eine Clique von profitgierigen Medizinern, die dort ihr Unwesen treibt. Dann werden Ärzte aus dieser Gruppe brutal ermordet und alles deutet auf einen religiösen Fanatiker hin. Aber wer steckt wirklich dahinter? Die Polizei ermittelt fieberhaft.

Ungenutzte Chance

Es ist eine grauenhafte Vorstellung, in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden, in dem aus Profitgier und Machtinteressen Menschenversuche durchgeführt werden. Besonders, wenn man völlig gelähmt ist, wie Kathleen. Und bedenkt man, mit welchen medizinischen Kenntnissen der Autor Peter Clement hier aufzuwarten versteht und wie spannend die Ausgangssituation ist, so entwickelt sich die Lektüre doch mehr und mehr vom kleinen zum mittleren Ärgernis. Ist die Handlung zunächst plausibel und begründet, ist sie zunächst in der Lage, ein Gefühl von erheblicher Beklemmung zu erzeugen, so setzt sie dann doch mehr und mehr auf rohe Effekte und brutale Massaker. Dies spräche an sich noch nicht gegen das Buch – schließlich können drastische Schilderungen durchaus ihren Reiz haben, wenn noch etwas anderes hinzukommt: lebendige Charaktere. Die hier entworfenen Figuren sind aber alles andere als lebendig, sie sind ziemlich flach und scheinen nur Vorwand für die Handlung zu sein. Sie können weder recht überzeugen, noch traut man ihnen ein Eigenleben zu. Auch zu einer wirklichen Wandlung sind sie nicht fähig. Das macht sich auch und besonders an den etwas hölzernen Dialogen bemerkbar, die im Verlauf des Buches tendenziell an Substanz verlieren. Effekt: Der Leser macht sich kaum noch Sorgen um die Figuren, weil er spürt, dass sie im Grunde austauschbar sind. Fazit: Das an sich spannende Thema und die verdammt gute Ausgangssituation, auch das profunde medizinische Sachwissen des Autors, all dies bleibt letztlich ungenutzt – heraus kommt Thrillermassenware von mittelmäßiger Qualität.

Frank Kaufmann


Peter Clement: Der Kreis der Angst.
Thriller. Aus dem Amerikanischen von Dr. Rolf Tatje.
Bastei Lübbe. Tb. 2005.
Broschiert. 445 S., 8,90 ¤,
ISBN 3-404-15253-0

 

TITEL-Kulturmagazin bietet regelmäßig Neuigkeiten aus Literatur, Musik und Film. Unabhängig und kompetent - seit über 10 Jahren!

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Dichter und Diplomat

»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Raubbau an Körper und Seele

In Stiche erzählt David Small die Geschichte seiner Kindheit und Jugend im wissenschaftshörigen Amerika der ...

Kampf der Superlative

Wenn ausgerechnet Incal-Autor Alejandro Jodorowsky, der inzwischen auch »Heilung durch Kunst« betreibt, die Geschichte des mächtigsten Killers des Universums erzählt, ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Back for good

Zwei interessante Wiederveröffentlichungen aus den 70ern, vorgestellt von TOM ASAM.

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...