Peter Clement: Der Kreis der Angst.
07.03.2005
Stammzellenforschung und Effekte
Der Medizinthriller „Der Kreis der Angst“ setzt auf atemberaubende Effekte, handelt von geheimen Menschenversuchen und von einem religiösen Fanatiker. Leider bleiben die Charaktere flach und die Handlung verliert ihre Glaubwürdigkeit.
Das Versprechen auf dem Buchcover scheint zunächst eingelöst zu werden: „Ein atemberaubendes Buch über die Abgründe der modernen Medizin“, so urteilt Newsweek. Und tatsächlich nimmt der Leser zunächst Anteil an dem Schicksal der Genforscherin Kathleen, die nach einer Gehirnblutung in ein New Yorker Krankenhaus eingeliefert wird. Dort kaum angekommen, wird sie, hilflos und gelähmt, von dem Chefarzt der Neurochirurgie behandelt. Ihr Freund, selbst Arzt in der Notaufnahme, glaubt sie in guten Händen, bis offenbar wird, dass merkwürdige Versuche mit ihr gemacht wurden. Mehr und mehr bestätigt sich der Verdacht, dass sie kein Einzelfall war, denn offenbar gibt es eine Clique von profitgierigen Medizinern, die dort ihr Unwesen treibt. Dann werden Ärzte aus dieser Gruppe brutal ermordet und alles deutet auf einen religiösen Fanatiker hin. Aber wer steckt wirklich dahinter? Die Polizei ermittelt fieberhaft.
Ungenutzte Chance
Es ist eine grauenhafte Vorstellung, in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden, in dem aus Profitgier und Machtinteressen Menschenversuche durchgeführt werden. Besonders, wenn man völlig gelähmt ist, wie Kathleen. Und bedenkt man, mit welchen medizinischen Kenntnissen der Autor Peter Clement hier aufzuwarten versteht und wie spannend die Ausgangssituation ist, so entwickelt sich die Lektüre doch mehr und mehr vom kleinen zum mittleren Ärgernis. Ist die Handlung zunächst plausibel und begründet, ist sie zunächst in der Lage, ein Gefühl von erheblicher Beklemmung zu erzeugen, so setzt sie dann doch mehr und mehr auf rohe Effekte und brutale Massaker. Dies spräche an sich noch nicht gegen das Buch – schließlich können drastische Schilderungen durchaus ihren Reiz haben, wenn noch etwas anderes hinzukommt: lebendige Charaktere. Die hier entworfenen Figuren sind aber alles andere als lebendig, sie sind ziemlich flach und scheinen nur Vorwand für die Handlung zu sein. Sie können weder recht überzeugen, noch traut man ihnen ein Eigenleben zu. Auch zu einer wirklichen Wandlung sind sie nicht fähig. Das macht sich auch und besonders an den etwas hölzernen Dialogen bemerkbar, die im Verlauf des Buches tendenziell an Substanz verlieren. Effekt: Der Leser macht sich kaum noch Sorgen um die Figuren, weil er spürt, dass sie im Grunde austauschbar sind. Fazit: Das an sich spannende Thema und die verdammt gute Ausgangssituation, auch das profunde medizinische Sachwissen des Autors, all dies bleibt letztlich ungenutzt – heraus kommt Thrillermassenware von mittelmäßiger Qualität.
Frank Kaufmann
Peter Clement: Der Kreis der Angst.
Thriller. Aus dem Amerikanischen von Dr. Rolf Tatje.
Bastei Lübbe. Tb. 2005.
Broschiert. 445 S., 8,90 ¤,
ISBN 3-404-15253-0