Katrin Kremmler: Pannonias Gral
14.03.2005
Flotter Krimi über ungarischen Gral
Katrin Kremmlers dritter Krimi bietet kurzweilige Lektüre.
Es gibt sie noch, die Suche nach dem Gral. Zumindest im neuesten Krimi der 1972 geborenen Ethnologin, Cartoonistin und Autorin Katrin Kremmler. Als erstmals das Gerücht auftaucht, in Ungarn sei der Pelso-Schatz und mit ihm der Gral entdeckt worden, beginnt eine gefährliche Jagd.
Schatzsuche mit realem Hintergrund
Hinter der Story steckt eine wahre Geschichte: der Schatz heißt in Wirklichkeit Seuso-Schatz und auch die versuchte Versteigerung gab es wirklich. Katrin Kremmler hat nicht nur diese Tatsachen gut recherchiert, sie kennt sich auch in der Budapester Lesben-Szene aus, in welcher der Roman angesiedelt ist.. Schon Kremmlers Krimidebüt „Blaubarts Handy“ spielte in Ungarn. Und im vorliegenden dritten Roman bleibt sie dem Schauplatz ihrer Budapester Wahlheimat treu.
Die aus Ungarn stammende Hauptfigur Naomi wird von ihrem onkel nach Budapest geschickt, um die verschwundene Malerin Hajnal ausfindig zu machen, mit der er eine Ausstellung in New York machen will. Als ihr von ihrem onkel dieser gut bezahlte Job angeboten wird, nimmt sie nicht nur deswegen an, weil sie dringend Geld braucht, sondern auch, weil sie Sehnsucht nach der Stadt ihrer frühen Kindheit hat.
Budapest der Kindheit und der Gegenwart
Mit fünf Jahren ist Naomi gemeinsam mit ihrer Mutter über Wien nach Amerika geflüchtet. Seitdem hat sie Ungarisch gelernt und freut sich auf das Wiedersehen mit ihren ungarischen Wurzeln. Doch die Suche nach der eigenen Kindheit wird ebenso zu einem unangenehmen Abenteuer wie die nach der verschollenen Malerin Hajnal. Über einen Hinweis im Internet gerät Naomi in das lesbische Leben der Stadt und merkt sehr bald, dass sie verfolgt wird. Was waren wirklich die Gründe, warum die kleine Naomi mit ihrer Mutter aus Ungarn flüchten musste? Und hat diese junge, esoterische Künstlerin Hajnal vielleicht etwas zu tun mit dem Gral, der sich angeblich im Pelso-Schatz befunden hat? Diese Fragen beschäftigen die Hauptfigur bis zum überraschenden Schluss. Gerade bei diesem Buch drängt es mich, das Ende des Romans in den Mittelpunkt der Rezension zu stellen. Darf ich nicht. Schließlich will ich ja nichts verraten. Nur so viel sei gesagt: Der für einen Krimi unübliche Schluss hat mir gut gefallen. Auch der Wechsel der Perspektiven zwischen Naomi und Hajnals Freundin Reka ist sprachlich gelungen. Da verzeiht man schon einmal, dass die Handlung manchmal recht unerwartete Wendungen nimmt und einige Figuren doch sehr unvermittelt auftauchen.
Versuch mit Multimedia
Die mitgelieferte Mini-CD ist wenig mehr als ein guter Verkaufsgag. Multimedial begleitet die CD-Rom den Text im Buch und gibt immer wieder zusätzliche Informationen. Für diejenigen, die die Mini-CD nicht verwenden können, findet sich alles auch im Internet. Das Problem liegt darin, dass eine echte multimediale Aufbereitung des Romanthemas die Durchschnittsleserinnen und –leser wahrscheinlich überfordert. Sie haben ein Buch gekauft und wollen ein Buch lesen. Alles andere ist Zugabe, aber nicht das Kunstwerk selbst. Daher bleibt die CD nur ein Beiwerk, das die Schriftlichkeit mit Bildern bereicht und beweist, dass Kremmler nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Multimedia-Künstlerin ist.
Maria-Bernadette Ehrenhuber
Katrin Kremmler: Pannonias Gral. Ariadne Krimi 1153 im Argument Verlag, 2004. Taschenbuch. 160 Seiten mit Mini-CD. 12,90 Euro.
ISBN 3-88619-883-9.