Harlan Coben: Keine zweite Chance.
21.03.2005
Spannung rundum
Der hierzulande noch eher wenig bekannte Harlan Coben zeigt mit dem Thriller "Keine zweite Chance", dass er etwas von seinem Handwerk versteht. Figuren und Plot werden zu einer interessanten Mischung verarbeitet, die rundum Spannung erzeugt – für Thrillerfreunde ein wahrhafter Genuss.
"Als die erste Kugel in meine Brust einschlug, dachte ich an meine Tochter" – rasant und messerscharf bricht das Verbrechen in die zuvor geordnete Welt des Chirurgen Marc Seidman und seiner Familie ein. Als Seidman wieder zu Bewusstsein kommt, liegt er auf der Intensivstation. Seine Frau ist tot und seine sechs Monate alte Tochter Tara befindet sich in den Händen von Entführern. Und die wollen Seidman richtig abkassieren, wie es scheint – glücklicherweise hält sein Schwiegervater ein beträchtliches Vermögen im Hintergrund bereit. Seidman lässt sich auf die Forderungen der Entführer ein und erscheint zur Übergabe. Zuvor informiert er sicherheitshalber die Polizei – wie sich herausstellt, ist dies jedoch ein großer Fehler. Offenbar wissen die Entführer was gespielt wird und verschwinden spurlos mit dem Geld. Er bekommt "Keine zweite Chance", seine Tochter lebend wiederzusehen, das lassen ihn die Entführer wissen.
Zahlreiche Wendungen, spannender Plot
Was für den Familienvater Seidman der blanke Horror ist – der Familie beraubt und plötzlich alleine dazustehen – ist für den Leser die reinste Spannung. Doch die geht weiter, ja steigert sich im Verlauf der Handlung immer weiter. Im verzweifelten Bemühen, seine Tochter doch noch wiederzufinden, und in der Erkenntnis, seine Frau nicht so geliebt zu haben, wie seine frühere Jugendliebe Rachel, die nun plötzlich wieder auftaucht, gerät Seidman mehr und mehr in den Fokus der Polizei, die ihn schließlich für den Täter hält – hat er am Ende nur alles inszeniert, um wieder mit Rachel zusammensein zu können?
Als er doch noch eine zweite Chance bekommt Tara wiederzufinden, hilft ihm seine große Liebe, die ihre FBI-Kontakte spielen lässt. Doch inwiefern ist sie selber darin verwickelt, am Ende sogar Schuld an dem Tod seiner Frau? Und welche Rolle spielt eine verwirrte Schulfreundin, die schon mal des Nachts um sein Haus schleicht? An dieser Stelle sei schon einmal verraten: Das Ende birgt eine große Überraschung, genauso wie die immer neuen Wendungen und Perspektiven, die die Ereignisse in immer neuen Facetten aufscheinen lassen, und die letztlich, zusammen mit den gut motivierten Figuren, eine rundum spannende Lektüre gewährleisten. Dieses Buch hat - auch sprachlich - alles, was der Leser von einem guten Thriller erwartet. Ein wahrhafter Genuss.
Frank Kaufmann
Harlan Coben: Keine zweite Chance.
Roman, Aus dem Amerikanischen von Gunnar Kwisinski.
Goldmann. 2005.
Tb. 447 S., 8,95 ¤,
ISBN 3-442-45689-4