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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:18

 

F. Paul Wilson: Das Ritual.

09.05.2005


Das Geisterhaus

Der Roman "Das Ritual" von F. Paul Wilson verspricht etwas anderes, als er im Verlauf der Handlung hält. Und die typisch amerikanische Mischung aus Thriller, Horror und einer Brise skurrilem Humor, ist eine interessante, aber doch sehr spezielle Mischung.

 

Wer sich mit Software auskennt, der weiß, was das Kürzel WYSIWYG bedeutet: What you see is what you get, frei übersetzt: Was du siehst, das bekommst du. Im übertragenen Sinne ist dies bei dem neuesten, fast 700 Seiten starken Roman um den originellen Helden "Handyman" Jack leider nicht der Fall. Vermutet der unbeleckte Leser zunächst eine Detektivgeschichte, in der es um so etwas wie Aufklärung geht, muss er bald merken, dass er sich in einer waschechten Spukgeschichte und damit dem Horrorgenre befindet. Auf dem Cover wird zwar darauf verwiesen, dass Handyman Jack im Wahrsager und Okkultistenmilieu agiert und ein Ritualmörderclub einige Probleme macht. Dass der Leser aber irgendwann einem leibhaftigen Geist gegenübersteht, ein Blutsee im Keller in Szene gesetzt wird und ein Mensch durch einen Geist schließlich erstickt wird, sprich: das Übernatürliche nicht mehr aufgeklärt, sondern als fiktionale Realität behauptet wird – das und einiges mehr erstaunt doch zusehends.

Der Ermittler und das Übernatürliche

Alles beginnt damit, dass Jack durch Bekannte zu einem Wahrsager geschleppt wird, der in einem Geisterhaus wohnt und mit Verstorbenen spricht. Leicht erkennt Jack die Tricks, die dieser anwendet. Im Grunde Hokuspokus. Doch die Umstände weisen auf mehr hin: Ein Erdbeben, das ausgerechnet an dieser Stelle sein Epizentrum hat und diverse andere Erscheinungen. Eine etwas klischeehafte Warnerin meldet sich dabei zu Wort, aber natürlich hört man nicht auf sie. Und irgendwann ist es auch zu spät. Dann nämlich, als ein Geist an Jacks Freundin Gia gefallen findet und etwas wirklich Wichtiges – was an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird – von ihr haben möchte. So weit, so gut. Wer aber eine typische Privatdetektiv-Geschichte erwartet, einer der tatsächlich als Aufklärer Rätsel löst, der wird enttäuscht sein. Zwar ist Handyman Jack absolut interessant, als Figur "einer der originellsten Ermittler der letzten Jahre", da kann dem Buchumschlag nur rechtgegeben werden. Dennoch muss man die spezielle Mischung aus Thriller, Horror und einer Brise skurrilen Humors mögen, auf der letztlich die Konstruktion des Romans beruht. Denn natürlich können wahrhaft übersinnliche Erscheinungen und Taten per Definition nicht aufgeklärt werden. Stattdessen bekommt der Leser eine kurze Theorie von der "Andersheit" aufgetischt, die der Leser erst einmal schlucken muss, en passant Jacks Erklärungsniveau übernatürlicher Ereignisse dokumentiert und so eine ziemlich amerikanische Sicht auf die fiktionalen Dinge ausdrückt.

Frank Kaufmann


F. Paul Wilson: Das Ritual.
Roman. Ins Deutsche übertragen von Michael Kubiak.
Blanvalet 2005.
TB. 670 S. 8,95 ¤.
ISBN 3-442-36097-8

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