Kinky Friedman: Ballettratten in der Vandam Street
28.07.2005
Zur Sache, Kinky
In seinem neuen Buch beweist Kinky Friedmann, dass Kriminalromane durchaus voller Humor und Ironie sein können.
Über seinem Kopf schüttelt eine Lesbentanzschule die Körper ihrer Schülerinnen so durch Mark und Bein, dass die Decke von Kinkys Wohnung ein überraschend großes Loch aufwies. Das ist erst einmal Stoff genug, um einige Seiten in Kinky Friedmans Roman „Ballettratten in der Van-dam Street“ mit Schwadronierstoff zu füllen. Was aber nicht heißt, dass Friedman eine neue, schriftliche Form der Langeweiledarstellung gefunden hat. Davor schützt ihn seine zwar lapidare, aber nichts desto weniger exemplarische beschreibungsliterarische Schreibe.
Winnie Katz, die Betreiberin der Lesbentanzschu-le, bekommt eine Morddrohung und der Kinkster den Auftrag, den Auftraggeber aufzuspüren. Friedman wäre nicht Friedman, würde er dabei nicht die Gelegenheit finden, ordentlich vom Sprachzaum zu ziehen und Gedanken nebst ihren weit verzweigten Nebenlinien breitflächig zu entwickeln. Da kommt sogar die unwahre Geschichte wieder hoch, dass Kinky Friedman die Tochter eines Ganoven bei einem Bankraub gerettet hat. Oder war der Vorfall doch wahr? Da gehen die Meinungen und die Erinnerungen auseinander.
Friedman hat auch kein Problem damit, Josephine Baker und Roy Rodgers, den singenden Vorzeigecowboy, in Nebensätzen in die Story zu integrieren. Natürlich geht es auch nicht ohne Jesus, Abbie Hoffman, Joseph Heller und Groucho Marx. Prima Gesellschaft also, in deren Mitte der Countrymusiker und Krimischriftsteller steht und vom Leder zieht und phantasiereiche Gedanken unter die Fangemeinde streut. Von Groucho Marx überliefert er einen wunderbaren erfundenen Dialog mit dem Kinkster: "'Wohin des Weges?' fragte ich Groucho. 'Ich will nach Hause, um meiner Frau den Knüppel zwischen die Beine zu werfen' sagte er." Sonst noch Fragen nach der Sensibilität? Was ihm nicht selbst einfällt, leiht Kinky Friedman sich bei anderen. So spielt er mit Mick Brennan, seinem Helfer, vor dem realfiktiven Szeneroman das Sherlock Holmes-Dr. Watson-Spiel.
Was der Story vielleicht als Spannung oder dem Hitchcockschen Suspense fehlt, gleicht Kinky Friedman durch sprachliche Musikalität aus, die unweit seiner zweiten Passion, dem Country, gedeiht. Schließlich ging er auch mit Bob Dylan auf Tour und kennt die Sprache der Musik und die Musik der Sprache. Den rotzigen Ton der weiterentwickelten Countrymusic benutzt Friedman, um sich einen Weg durch die Realität – für sich und seine Figuren – zu bahnen. Vielleicht als kleiner Schutz vor Pleiten, Pech und Pannen. Vielleicht aber auch nur, um zu zeigen, dass Krimis nicht puritanisch, nicht streng detektivisch und nicht ohne Humor sein müssen. Was sie aber unbedingt haben sollten, ist das Kinkster-Syndrom: Offen, galant-unflätig, neben die Dinge schauend und mit gerade zu unbändiger Ironie gespeist.
Kinky Friedman? Ja, bitte. Bitte noch mehr davon.
Textauszug:
„Mein Auftragsbuch als Amateurdetektiv hatte in letzter Zeit viele leere Seiten aufzuweisen, und auch mein Sozialleben war ein unbeschriebenes Blatt – was an meiner Persönlichkeitsstruktur liegen mochte, die so abstoßend war, dass kaum jemand mehr als die ersten drei Minuten meines oberflächlichen Charmes durchhielt.“
Klaus Hübner
Kinky Friedman: Ballettratten in der Vandam Street. Aus dem Amerikanischen von Ulrich Blumen-bach. Mit einem Nachwort von Wiglaf Droste. Edition Tiamat, Berlin 2005. Broschiert, 176 S., EUR 14,00. ISBN 3-89320-084-3.
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