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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:22

 

Sobo Swobotnik: Oktoberfest

06.10.2005

 
Krimi nichts dagegen

Manchmal bleibt auch einem Rezensenten die Spucke weg. Soviel Unverfrorenheit. Da hilft nur noch Parodie. Notwehr, gewissermaßen.

 

Jetzt ist schon wieder was passiert. Bei dtv, wo man doch meinen könnte, wenn man dort ein Machwerk ins Lektorat gibt, kommt es als gemachtes Werk wieder heraus. Aber quasi Trugschluss. Witzig, hat das Lektorat nur gesagt, Haas nichts dagegen. Hätte aber sehr wohl etwas dagegen gehabt, der Herr Haas, weil musst du wissen: Wenn man der Wolf Haas ist und guckt da plötzlich in ein Buch, wo so geschrieben wird, als hätte es der Haas an einem sehr schlechten Tag geschrieben, und dann guckt man auf den Umschlag und es steht Sobo Swobotnik drauf, dann wird bei soviel Sobotage der Haas zum Wolf gewissermaßen.

Und plötzlich Oktoberfest. Brenner jetzt Plotek, Österreich jetzt München. Schon einmal Österreicher in München, auch böse geendet. Bei Swobotnik auch böse angefangen. Er hat nämlich eine Maschine bei sich im Keller gefunden, musst du wissen. Zum Romanfigurenausstanzen. Das musst du dir vorstellen wie ein großes Bierfass, wo der Autor den Zapfhahn einklopft, und wenn er aufdreht, kommt garantiert Schelmenroman heraus. Immer lustig, lustig immer gut in Deutschland. Der Held, Plotek heißt er, dass du das nicht vergisst, ist ein sympathischer Tunichtgut, sitzt immer in seiner Stammkneipe, abgebrannt, kein Geld, kein Glück, aber viele Gedanken im Kopf. Solche Maschinen stehen in Deutschland in vielen Kellern, und die Schelme laufen in Armeestärke durch die Literatur, Gleichschritt Marsch! Und immer lustig. Das ist ganz wichtig, weil wenn es in Deutschland grauslig wird, dann auch immer lustig, das ist wie Politik, wenn der Schröder plötzlich Herr Merkel sagt und die Frau Merkel brutto und netto verwechselt.

Also: Plotek pleite, muss arbeiten, Gott sei Dank: September, Oktoberfest. Quasi Bierkrug- und Hendlstemmen, und das immer lustig, weil Schelmenroman. Hat aber das Lektorat gesagt: Pass mal auf, Sobo. Schelmenroman verkaufstechnisch problematisch. Quasi abgestandenes Bier. Anders der Kriminalroman, weil Kriminalroman Genre und kennen die Leute aus dem Fernsehen. Also: Kriminalroman.

Ein Kriminalroman braucht einen Plot, und wo viel Plotek, der immer denkt und denkt und immer lustig, lustig, da muss auch Platz sein für ein wenig Plot. Weil: Krimi deshalb gut, weil Auflösung immer am Schluss. Und zwischendrin immer nur Andeutungen. Zwei Alte tot im Bierzelt. Genügt. Verdächtige. Genügt. Bloß nicht Charaktere, braucht nicht. Bloß nicht Logik. Zu akademisch. Sterbehilfe schwarzer Humor und daher definitiv lustig.
Und Sobo Swobotnik hat jetzt angefangen zu schreiben, kannst du dir vorstellen. Mein Gott, wie lustig! Immer abwegige Gedanken, das ist wie Bierzelt und du klotzt, wie da tausend Leute an dir vorbeitaumeln, und die interessieren dich nicht, aber interessant ist das wohl. Und lustig. Krimi nicht so Sobos Ding. Aber soll ja nun Krimi sein, also gewissermaßen sitzt du im Bierzelt vor deiner Maß, und alle zwei Tage kommt die freundliche Bedienung und fragt, ob du noch eine willst. Da wirst du nicht besoffen, der Krimi wird nicht spannend, eigentlich belanglos, aber lustig und du hast immer was im Krug. Wenn der Rezensent kommt und sagt: Hm, lustig, lustig, aber krimimäßig quasi gepanscht, dann zeigst du ihm den Krug: is doch noch ein Schluck Krimi drin, siehst du?

Lektorat reibt sich die Hände. Schelmenroman mit Krimi, Krimi wie Wolf Haas nach zwanzig Maß, Haas geht weg wie geschnitten Brot, Swobotnik auch bald. Weil, gewissermaßen sozusagen, und da verrat ich dir jetzt ein Geheimnis: Die Leser sind dumm, Brot nichts dagegen. Aber SO dumm?

Dieter Paul Rudolph


Sobo Swobotnik: Oktoberfest.
Kriminalroman. Broschur.
dtv 2005.
252 Seiten. 14 Euro.
ISBN: 3-4232-4476-3

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