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Val McDermid: Tödliche Worte

13.11.2005


Komplexes Einfühlungsvermögen 

“Tödliche Worte” ist der vierte Fall für das Ermittler-Duo Tony Hill und Carol Jordan - Val McDermid ist zuverlässig wie immer.

 

Carol Jordan ist in einer äußerst schwierigen Lage. Sie steht vor der Aufgabe zwei unappetitliche Fälle lösen zu müssen, für die es keine Lösung zu geben scheint und sie selbst ist auch noch schwer gehandicapt. Psychisch angeschlagen von einer missglückten Under-Cover Aktion, bei der sie misshandelt wurde, kämpft sie nicht nur gegen äußere Widrigkeiten, sondern auch gegen ihre eigenen Ängste. Als sie gebeten wird, erneut dem Sondereinsatzkommando der Polizei in Bradfield zur Verfügung zu stehen, muss sie sich diesen Ängsten sehr direkt stellen.

Eine Prostituierte wird brutal ermordet. Doch der mutmaßliche Täter hat ein sicheres Alibi, er sitzt im Hochsicherheitstrakt der Psychiatrie. Hat er einen Nachahmer? Als erneut schwer misshandelte Frauenleichen gefunden werden, wird offensichtlich, dass es sich um einen Serienmörder handelt. Für Detective Chief Inspektor Jordan beginnt ein Albtraum. Ihre aufreibende und erfolgslose Ermittlungsarbeit setzt sie zunehmend unter Druck. Einziger Ausweg scheint für Jordan zu sein, dem Täter eine junge Kollegin als Lockvogel anzubieten. Aber was, wenn noch einmal alles von vorn losginge? Wenn wieder eine Under-Cover Aktion außer Kontrolle geriete und die exponierte Polizistin erneut Folter und Tod ausgesetzt wäre?

Auch ihr Kollege Profiling Spezialist Tony Hill kann nicht offen operieren. Einerseits muss er sich gegen das Konkurrenzdenken eines Kollegen zur Wehr setzen, der ihn verdächtigerweise daran hindert, einer möglichen Spur zu folgen. Andererseits weckt Hills unorthodoxes Vorgehen sowieso bei allen Beteiligten Skepsis. So kann der Phantom-Täter, anscheinend nur mit der Kraft seiner Worte, weitere Morde begehen.

“Tödliche Worte” ist der vierte Fall für das Duo Tony Hill und Carol Jordan. Bisher bildeten sie ein Dreamteam: Sie ergänzten sich bei ihrer gemeinsamen Ermittlungstätigkeit und waren sich auch privat nah. Doch seit der Misshandlung ist auch in dieser Beziehung nichts mehr so, wie es einmal war. Plötzlich misstrauen sie den Worten. Statt sich zu öffnen und auszusprechen, verarbeiten sie schweigend ihre Probleme. Voll Spannung fragen sich Leser und Leserinnen, ob die beiden sich endlich wieder näherkommen werden oder ob das Verbrechen von ihren privat bedingten Kommunikationslücken profitieren wird.

Val McDermid ist zuverlässig wie immer. Obwohl ihre Bücher mittlerweile eine härtere Gangart einschlagen, resultieren Thrill und Komplexität aus ihrem Einfühlungsvermögen für alle Seiten. Zuerst lässt sie einen Sturm des Bösen los, so dass der Leser vor Erschrecken, Verwirrung, Wunder und Erstaunen herumgewirbelt wird. Dann aber bringt sie Hoffnung ins Spiel, die Hoffnung, dass es einen Ausweg aus diesem fürchterlichen Inferno geben könne. Gekonnt hält sie diesen Ausweg bis zuletzt im Dunklen. So sind die Worte am Ende zum Glück nur tödlich spannend.

Maggie Thieme


Val McDermid: Tödliche Worte.
Aus dem Englischen von Doris Styron.
Knaur Verlag München 2005.
Taschenbuch. 525 Seiten. 8,95 Euro.
ISBN 10: 3-426-62912-7

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