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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:22

 

Anne Holt: Was niemals geschah.

12.12.2005

Furiose Spannung

Schlicht und einfach gelungen ist er, der neue Thriller der Norwegerin Anne Holt. Und der Auftakt ist ein Furioso: Fiona Helle, beliebte Talkmasterin, wird ermordet, entstellt in Szene gesetzt und mit abgeschnittener Zunge gefunden, die Zunge in einem gefalteten Papierkästchen und eingeschnitten.

 

Eine perverse Nachricht, eine Mitteilung des Mörders? War Fiona eine Lügnerin? „Einem Menschen die Zunge herauszuschneiden ist eine symbolische Handlung, so brutal und so grausam, dass sie wohl kaum einen anderen Grund haben kann als Hass. Einen ziemlich intensiven Hass.“ Kurze Zeit später ein zweiter entsetzlicher Mord: die junge Vibeke Heinerback, die der rechtspopulistischen Partei vorsteht, wird mit den Händen an die Wand genagelt in ihrem Bett gefunden. Zwischen ihren Beinen ein Buch: „Spätere Untersuchungen sollten ergeben, dass es sich um ein in Leder gebundenes Exemplar des Koran handelte.“
Spannung und knallharte Fakten also schon auf den ersten zwanzig Seiten, aber keine Bange, die restlichen 360 sind nicht minder lesenswert.

Aufklärung im Duo

Ja, sicher, die gewohnte Hanne Wilhelmsen ermittelt nicht mehr, dafür aber geben Kommissar Yngar Stubo und Lebensgefährtin Inger Johanne ein bemerkenswertes Paar ab, frisch gebackene Eltern sind sie, Inger hat noch ein Kind aus einer früheren Beziehung. Alles andere als Hausfrau und Mutter ist sie, schließlich wurde sie früher beim FBI zum Profiler geschult, eine Zeit allerdings, an die sie nicht erinnert und auf die sie nicht angesprochen werden möchte. Damals gab es eine ganz ähnliche Mordserie mit fatalen Folgen. Natürlich wird sie sich ihrer Vergangenheit stellen müssen. Damit verbunden: ein Beziehungskisten-Problem, das den privaten Hintergrund des Romans bildet. So sind es die beiden, die neben einem bunten kriminalistischen Team dem Fall auf die Spur zu kommen versuchen. Überzeugend, logisch und glaubhaft.

Knallharte Fakten

Ausgekocht ist die Geschichte, raffiniert komponiert und eingefädelt, ständig wechselt die Erzählperspektive, wird der Leser zu Vermutungen, Spekulationen und Mutmaßungen angeregt und verleitet. Ein Spiel, das Anne Holt da treibt, aber ein köstliches und Nerven kitzelndes Spiel. Manchmal etwas spröde in ihrer Sprache, wartet die für Mord und Crime ausgezeichnete Autorin denn auch nicht mit Stimmungsbildern auf. Ihr sind Fakten lieber, sie hält sich an Tatsachen. So mag das Atmosphärische, wie in den Wallander- Krimis beispielsweise nicht aufkommen, das nimmt der Spannung und dem Gesamteindruck jedoch nichts.

Barbara Wegmann


Anne Holt: Was niemals geschah.
Piper,
380 S., 19,90 Euro.
ISBN: 3492047629

 

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