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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:22

 

Martha Grimes: Auferstanden von den Toten

08.01.2006

Tod auf dem Pferdehof

Krimifans gibt es viele. Pferdenarren ebenso. Wie viele Leser muss wohl ein Roman finden, der Kriminal- und Pferderoman gleichzeitig ist!

 

Ich liebe Melrose Plant. Er gehört zu den schrulligsten Figuren der Kriminalromanen. Nur ihm zuliebe lasse ich mich regelmäßig wieder mit seinem Freund Inspector Jury ein.
Und ich liebe Martha Grimes Kunst, alle Figuren so lebensecht zu zeichnen, als ob ich sie seit meiner Kindheit kennen würde. Das gilt auch für Nebenfiguren.
Vielleicht werden simple Krimileser vom abwechslungsreichen Romananfang erschlagen. Viele Figuren und Handlungsstränge auf den ersten hundert Seiten sind bei Martha Grimes üblich. Erst allmählich erkennt man Zusammenhänge. Das macht die literarische Qualität der Grimes aus. Sie beweist, dass Krimis eben nicht einfach gestrickt sein müssen, sie können auch verschnörkelt, ausufernd, tiefschürfend und verschachtelt sein.

Auflösung nach zwei Jahren Wartezeit
Herbei gesehnt haben diesen Roman sicher alle deutschsprachigen Inspector Jury Fans. Denn erst er liefert die Auflösung aus dem letzten Jury-Roman „Die Trauer trägt Schwarz“ (deutsch 2003). Der Roman endete mit einem schwer verletzten Jury. Erst 2005 erfährt man, dass er seine Schussverletzungen überlebt. Übrigens: Wer diesen Roman gelesen hat, wird bestimmt nie (mehr) ein bestimmtes Medikament verwenden. Mehr wird hier nicht verraten.
Nur ein paar Sätze zur Handlung: Das junge Mädchen Nell ist vor zwei Jahren vom Gestüt der Familie Ryder verschwunden. Gemeinsam mit dem wertvollen Pferd Aqueduct. Lösegeldforderung gab es keine, Leichen wurden auch nicht gefunden. Daher macht sich die Familie Hoffnung auf ein Wiedersehen. Weitere Personen sind Maurice, der Sohn des verstorbenen Jockeys Dan Rider, der Hausherr Arthur Ryder (und gleichzeitig Nells und Maurices Großvater) sowie Nells o­nkel Vernon.
Jury erfährt von den Geschehnissen im Krankenhaus, wo er von Roger Ryder, Nells Vater behandelt wird. Und da er selbst ans Bett gefesselt ist, lässt er Melrose Plant ermitteln.

Grimes Krimis sind echte Dramen
Es wurde schon mehrfach beklagt, dass Grimes auch sympathische Figuren sterben lässt. Gut so! Das macht einen literarischen Text aus, der sich über simple Schwarz-Weiß-Muster hinwegsetzt. Auch im wirklichen Leben soll es bekanntlich vorkommen, dass gute und liebe Menschen sterben.
Trotz der humorvollen Sprache und vieler witziger Szenen ist die Stimmung in diesem Roman düster. Doch auch wenn der Inhalt nicht gerade leicht zu verdauen ist und die vielen Namen zu Beginn verwirrend sein können, schwere Kost liefert Martha Grimes trotzdem nicht.
Lesenswert (nicht nur für Martha Grimes beziehungsweise Inspector Jury Fans und Pferdenarren)!

Maria-Bernadette Ehrenhuber



Martha Grimes: Auferstanden von den Toten. Goldmann 2005, 475 Seiten, 19,90 Euro.
ISBN: 3442310067

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