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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:23

 

Max Bronski: Sister Sox

03.04.2006

Die Bronx an der Isar

Schwefelgelbe Wolken umkreisen München. Ein Hip-Hop Star verschwindet. Ist sie die Tote in der Badewanne? Hinter den grell erleuchteten Fassaden gärt es.

 

Wer hätte gedacht, dass unter der Oberfläche der gemütlich behäbigen Barockstadt München eine Subszene des Verbrechens existiert, die man so nur aus den verrufensten Großstädten jenseits des Atlantik zu kennen meint? Alles nur Kulisse an der Isar?
Jedenfalls im Schlachthofviertel ist nicht alles so koscher, wie die Gesundheitspolizei erlauben würde. Hier kommt der schöne Schein nicht an, hier stinkts gewaltig. Da ist es kein Wunder, wenn Wilhelm Gossec, der Besitzer eines Trödelladens, seine harte Schale hervorkehren muss, auch wenn er innen doch von einer schmelzenden Zartheit erfüllt ist, wie die von ihm geliebten Kekse der Prinzenrolle. Denn Pia Sockelmann, die verschwundene Hip-Hop-Lady Sister Sox, ist schließlich seine Ziehtochter und auch wenn ihre Verbindung längst nicht mehr so eng ist, fühlt er sich verantwortlich genug, um sich auf die Suche nach der offensichtlich Gefährdeten zu machen.
Der von den Umständen Gebeutelte muss Detektiv spielen und wird gegen seinen Willen in einen Kampf der Münchener Unterwelt verwickelt. Aber nicht nur die Mafia ist hinter ihm her, auch die Polizei interessiert sich für ihn. Zwischen allen Fronten stehend, nimmt er den Kampf auf. Bewaffnet mit einem Totschläger und einem lakonischen Naturell, zieht er aufrecht wie Don Quichotte durch düstere Katakomben und lichte Isarauen, immer nur ein Quentchen von der Auflösung entfernt. Welcher der vielen Windmühlenflügel des Verbrechens ihn auch umhaut, er steht wieder auf.

Wie die Prinzenrolle
Herrlich mitzuerleben auch, wie er die Möglichkeiten für sich nutzt, die eine Stadt, die den schönen Schein liebt, den ihren bietet. Als Mönch verkleidet kann er wie selbstverständlich in einigen brenzligen Situationen auf den Respekt zurückgreifen, den ein Ordensmensch in der bayrischen Metropole noch erwarten darf.
Beiläufig wird eine Welt beschrieben, die so viele Paralleluniversen aufweist, dass es Wunder nimmt, dass sie in der Öffentlichkeit nur am Rande erscheint. Wie sein Held Gossec die Lücke zwischen gefühlter und tatsächlicher Betrunkenheit im Biergarten zu schließen sucht, schließt Max Bronski die Lücke zwischen der blauweißen Musterstadt und dem Genre des hartgesottenen Kriminalromans augenzwinkernd.
Jenseits von bayrischen Schmankerln und Klischees sind es die liebevoll hingetupften Orginale, wie beispielsweise der in den Wirtschaften tingelnde Bluesbarde o­nkel Tom, die dem Krimi eine glaubwürdige lokale Dimension geben. München und Hardboiled passen gut zusammen. Zusammen bilden sie eine mit knackiger Spannung gefüllte Prinzenrolle der besonderen Art.

Maggie Thieme


Max Bronski: Sister Sox, Kunstmann 2006, S. 191, 16,90 Euro. ISBN: 3-88897-425-9

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