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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:23

 

Karin Slaughter: Schattenblume

23.04.2006

Heimat, deine Horrorshow
So einigen wird hier der Kopf weggeblasen, mal halb, mal ganz, mal selbstmörderisch. Ja, Karin Slaughter scheint eine Vorliebe für spritzendes Hirn zu haben. Überhaupt für Details an Leichen. Da reitet sie als Bestsellerautorin natürlich ganz auf der inzwischen etwas nervtötenden Welle der Gerichtsmedizinerkrimis mit. Aber wenn das Handwerk stimmt...

 

Eine schwierige Liebesbeziehung steht im Zentrum des mörderischen Dramas: Sara, die ortsansässige Kinderärztin und Rechtsmedizinerin, und Chief Jeffrey Tolliver, der einen etwas zweifelhaften Ruf als Frauenheld im Städtchen genießt, müssen wieder einmal miteinander sprechen. Hierzu kommt Sara auf die Wache, die kurz darauf von zwei Maskierten gestürmt wird. Zu allem Unglück befinden sich auch Schulkinder im Gebäude. Dann erwischt es Jeffrey schwer und ein mörderischer Kampf gegen die Zeit nimmt seinen Lauf...

Rückblende um Rückblende eröffnet uns Karin Slaughter einen zeitverzögernden Blick in die Vergangenheit der Protagonisten. Und da ist doch einiges schiefgelaufen! Sara hat eine Vergewaltigung hinter sich, und Jeffrey doch jede Menge Leichen im Keller seines Heimatdörfchens. All diese Geschichten holen die Beiden nun schleichend wieder ein.

Klassisch konsumfreundlich

Die Komposition ist durchaus herkömmlich. Zwei Handlungsstränge, die zunächst nebeneinanderliegend, sich zu einem würgenden Knoten verzurren. Manchmal allerdings wird aus der Komposition eine etwas zu kunstlose Konstruktion, und man vermeint der Autorin in die profane Schreibwerkstatt zu schauen, zu gewollt harmonisch wird es dann, zu zufällig und schicksalsbesoffen. Aber was solls, letztlich ist es das, was man von einem ordentlich gemachten Thriller erwartet, und ordentlich gemacht ist "Schattenblume" durchaus. Sprachliche Finessen erwartet hier keiner, höchstens halsbrecherisches Tempo und unerwartete Kurven einer reinigenden Seelenralley. Die Übersetzung allerdings scheint ein wenig zu holpern. Vielleicht ist dies der marktüblichen Eile geschuldet, mit der so ein Superseller auf den Markt geschleudert wird. Erkennbar ist dies an einigen Orthographiefehlern, die durch detaillierte, liebevolle Übersetzungsarbeit und anschließendem Lektorat eigentlich so gut wie unmöglich sein sollten. Aber vergessen wir das: Denn sowenig es bei dieser Geschichte um subtile Hochliteratur geht, sosehr geht es bei der Veröffentlichung um das richtige Timing. Schmissige Dialoge, und eine durchschnittliche Anzahl an überraschenden Wendungen halten die Leselaune auf Betriebstemperatur. Ein wenig hanebüchen und B-Moviehaft bleiben einige Szenen allerdings dennoch. Doch wer sich daran stört, kauft solcherlei Bücher ohnehin nicht.

Christoph Pollmann



Karin Slaughter: Schattenblume.
Thriller. Erschienen bei: Wunderlich. ISBN:3-8052-0804-9 Preis: 19,90 ¤

 

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