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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:26

 

Patricia Cornwell: Gefahr

26.06.2006

Fälle wie schwarze Löcher

Nein, Kay Scarpetta ist dieses Mal nicht mit dabei, aber keine Bange: die Meisterin in Sachen krimineller Spurensuche hat für würdigen Ersatz gesorgt: mit dem farbige Frauenschwarm Win Garano schickt Patricia Cornwell einen Ermittler der Massachusetts State Police ins Rennen, den ‚ Fälle wie schwarze Löcher anziehen’.

 

Zudem gilt er als „der beste Ermittler der Einheit“, wenngleich Manche staunen: „Eitel, Klamottentick ... Designeranzüge, ein Hummer, eine Harley, da fragt man sich, woher das Geld kommt.“ Das Charmante an diesem dunkel gelockten Supermann mit kaffeebraunem Körper: er ist Schnäppchenjäger, ersteigert Edles bei Ebay, kauf in Second Hand-Läden oder begnügt sich mit Ausstellungsstücken. Ein Mann, der in jeder Situation zurecht kommt, seine Grundsätze hat, nur die allerbesten versteht sich!
Seine höchst attraktive Chefin, Staatsanwältin Monique Lamont, ehrgeizig und machtbesessen, alle Drähte spannend und Fäden webend, um Gouverneurin zu werden, beauftragt Garano, einen Jahrzehnte zurückliegenden Fall in Tennesee aufzuklären, mit Hilfe modernster DNA- Technik. „Es geht um Erbmaterial aus Fällen, bei denen wir keine Ahnung haben, wer der Täter ist.“: Vivian Finlay, „Geldadel aus Knoxville...jemand prügelte ihr die Seele aus dem Leib“.

Für politische Zwecke missbraucht
Aber im Hintergrund spielen da noch ganz andere Gründe eine Rolle: „Wenn wir 50 Millionen Dollar für den Bau eines neuen Kriminallabors haben wollen ... brauchen wir öffentliche Aufmerksamkeit. ...Wir müssen der Öffentlichkeit und dem Gesetzgeber zeigen, dass es richtig ist, die größte DNA- Datenbank des Landes aufzubauen, vielleicht die größte der Welt.“ Dass Lamont ihren besten Ermittler für ihre ‚politischen Zwecke’ benutzt und in ein Spiel auf ganz anderer Bühne mit einbezieht, das ergibt sich erst aus einer relativ kurzen, sehr spannenden Geschichte. Ihre Initiative vermarktet sie auffällig pressewirksam: „Any Crime, Any Time, Staatsanwältin will alten Fall mit High-Tech-Methoden aufklären.“
Patricia Cornwell hat ihren ganz eigenen Stil: genau, fast pedantisch, mit einem bewundernswert üppigen Sachwissen, das ihren Kriminalromanen stets eine ganz besondere Würze gibt. Na klar, schließlich arbeitete die mit vielen Preisen ausgezeichnete Thriller- Autorin einst als Polizeireporterin und in der Gerichtsmedizin. Ist es sonst die versierte Kay Scarpetta, die als Pathologin Fälle profimäßig löst, ist es diesmal das Thema, das in den Bereich der Gentechnik fällt und es geht bei weitem nicht nur um eine schlichte DNA-Analyse. „Mit Biotechnologie und Pharmaforschung ist eine Menge Geld zu machen.“ Entsprechend groß die Anfälligkeit für Korruption, Verbrechen und Mord.
Mit seinen 158 Seiten ist der neue Cornwell-Thriller recht kurz und kompakt, aber man vermisst auch nichts, alles ist so wie man es von einem guten Krimi rundum erwartet. Charmante Nebenrolle: Wins Großmutter, die an übersinnliche Kräfte glaubt. Von ihrer Meinung nach schlechten Menschen notiert sie die Namen „auf einem Zettel und steckt ihn in die Kühltruhe.“ Und ihrem Enkel prophezeit sie: „Deine Wahrnehmung ist verschleiert, aber das ändert sich bald.“

Barbara Wegmann


Patricia Cornwell: Gefahr. Verlag Hoffmann und Campe, 158 S., 17,95 Euro. ISBN:3455011055


 

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