D. W. Buffa: Black Rose
17.09.2006
Verliebt und verloren
Bis zur Verfilmung wird es nicht lange dauern: D. W. Buffas Thriller Black Rose ist genial, anspruchsvoll und atemberaubend.
Der sympathische Staranwalt Andrew Morrison, bei Gericht schon „zur Legende“ geworden, wird von der betörend schönen und jungen Danielle St. James gebeten, sie zu verteidigen: Sie ist des Mordes an ihrem Mann Nelson St. James angeklagt. Morrison war Danielle kurze Zeit vorher bereits schon einmal begegnet: St. James hatte ihn auf seine Yacht, die „Black Rose“, eingeladen. Dort war er Danielle, „eine der attraktivsten Frauen, die er je gesehen hatte“, umgehend erlegen. „Morrison war in sie verliebt – und damit war er verloren.“
Ungeahntes und Spektakuläres
Buffa war viele Jahre Strafverteidiger und seine Thriller sind so etwas wie Plädoyers für scharfsinnige Juristerei, für die Dramatik, die sich hinter Gesetzen und ihrer Auslegung abspielt. „Ein Prozess war ein Kampf mit friedlichen Mitteln“, und in diesem Kampf gibt es ungeahnte Wendungen, überraschend neue Tatsachen, spektakuläre Erkenntnisse. Wurde Nelson St. James, von dem jede Spur fehlt, wirklich kaltblütig ermordet und über Bord geworfen, oder hat er vielleicht Selbstmord begangen? Und warum hatte sich der Schiffseigner, der in kriminelle Machenschaften verstrickt sein soll, die bis in höchste Regierungskreise reichen, an dem gemeinsamen Abend so auffällig intensiv dafür interessiert, „wie man ungestraft mit einem Mord davonkommt“? Morrison erreicht nach einem spannenden Prozess für Danielle St. James einen Aufsehen erregenden Freispruch. Doch damit fängt eigentlich alles erst an.
Intelligent und konsequent
Buffas Thriller braucht keine Einleitung, keinen Anlauf, kein Personenregister. Auf den beiden Hauptschauplätzen, Schiff und Gerichtssaal, ist alles klar, überschaubar und transparent. Dabei ist das Gerippe des Thrillers nun wahrlich nicht neu: zwei Männer, natürlich ein guter und ein böser, dazwischen eine attraktive Frau. Aber was Buffa daraus macht, ist eine hochintelligente Story, konsequent logisch, nie langweilig, trotz oder gerade wegen des einen oder anderen belebenden Klischees. Ein schillernder und die Geschichte beherrschender Andrew Morrison, der in seinen so unterschiedlichen Rollen – Staranwalt, Frauenheld, Opfer und Rächer – überzeugend abschneidet. Zu Beginn des spitzfindigen Szenarios fragt Nelson St. James den Anwalt: „Andrew Morrison, erzählen Sie uns, wie man den perfekten Mord begeht!“ Buffa tut dies mit großer Brillanz und so richtig spannend.
Barbara Wegmann
D. W. Buffa: Black Rose. Aus dem Amerikanischen von Hans-Joachim Maass. Marebuchverlag 2006. 320 Seiten. 19,90 Euro.
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