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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:26

 

Wimmer Wilkenloh: Feuermal

25.09.2006

 
Terror an der Förde

Wer hätte gedacht, dass die Achse des Bösen auch durch Schleswig-Holstein verläuft? Eine abgehackte Hand, eine Moorleiche und ein toter Mann im Zug geben zwischen Nord- und Ostsee Rätsel auf. Gehören diese Gewalttaten zu einem gemeinsamen Fall?

 

Kommissar Jens Swenson hätte es seinem Beruf zum Trotz lieber gern friedlich, denn er ist seit langem Buddhist, aber nicht nur die ungeklärten Morde, sondern auch das Weltgeschehen verlangen seiner pazifistischen Grundhaltung einiges ab.

Verunsichert durch die Ereignisse des 11. Septembers 2001 lernt er, dass in Husum eine kleine arabische Welt existiert, in der verschiedene Ethnien und Zugehörigkeiten zu Hause sind. Eine abgetrennte Hand wird in einen türkischen Treff geworfen, der oder die Täter entkommen unerkannt. Was zunächst aussieht wie ein muslimischer Bandenkrieg, erreicht schnell ungeahnte Dimensionen. Waren Al-Kaida und Terrorismus gerade noch Begriffe, die nicht in die Idylle des hohen Nordens zu passen schienen, ergibt sich über die Produkte einer dort bekannten Werft ein mögliches Zusammenspiel. Schließlich runden atombetriebene U-Boote auch nicht unbedingt das rapsgelbe Postkartenidyll mit Strandkorb harmonisch ab.

Spannung wird durch das Vorwissen der Lesenden erzeugt. Wilkenloh verwebt geschickt das Unwissen der Ermittelnden mit der Ignoranz der Normalbürger gegenüber dem Leben von Menschen, denen eine parallele Existenz erlaubt, aber eine eigene differenzierte Kultur und Geschichte zumeist abgesprochen wird.

Faktisch genau verarbeitet Wilkenloh in seinem Kriminalroman die Anschläge und Folgen vom 11. September 2001. Auf der Tatsache der seinerzeit im Norden lebenden Attentäter baut er seine Story auf, die – wenngleich Fiktion – zu einem großen Teil von den damaligen Gefühlen und Befürchtungen getragen wird. Wie die Angst vor einer terroristischen Attacke mittels Selbstmordbombern oder Virenanschlägen einerseits und die Furcht vor einem Vergeltungskrieg durch die Amerikaner andererseits auch im Alltag der Provinz Fuß fasste, davon erzählt Wilkenloh.

Dankenswerterweise werden wenige Klischees bemüht, doch dass BND-Agenten beim Observieren à la Bond über ihre Präferenzen bei der Martinizubereitung diskutieren, bringt auch das windstillste Binnenmeer dazu, sich zu wellen.

Maggie Thieme


Wimmer Wilkenloh: Feuermal. Gmeiner-Verlag 2006. 421 Seiten. 9,90 Euro.

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