John Evans: Tödlicher Pfad
08.10.2006
Jetzt neu als Taschenbuch erschienen!
Rucksack-Touristen leben gefährlich...
zumindest in dem erneut aufgelegten Debüt des Kanadiers Jon Evans. Wer die Abenteueratmosphäre und das Backpackermilieu liebt, kann dem erfrischend flüssig geschriebenen Thriller eine Menge abgewinnen und sollte zugreifen.
Eine ausgezeichnete Idee ist es allemal: In einem verlassenen Dorf am Annapurna-Massiv in Nepal entdeckt der als Ich-Erzähler auftretende Paul Wood die Leiche eines Trekkers. Aus den Augen des Toten ragen zwei Schweizer Armeemesser. Die örtliche Polizei ist an der Aufklärung des Falles nicht interessiert, sie möchte das unerfreuliche Ereignis lieber unter den Teppich kehren, da sie Einbußen im Tourismusgeschäft fürchtet. Bleibt der Mord also ungesühnt? Natürlich nicht, denn Paul Wood, Computerexperte und als Backpacker mit einer gewissen Portion Abenteuerlust ausgestattet, macht sich auf die Suche nach dem Mörder. Und etwas Schreckliches treibt ihn an: Zwei Jahre zuvor wurde seine Freundin Laura während einer Expedition in Kamerun auf exakt dieselbe Weise umgebracht. Was haben also die zwei Morde miteinander zu tun, die auf verschiedenen Kontinenten verübt wurden?
Lesenswert, kontrastreich, erfreulich
Jon Evans ist mit Tödlicher Pfad ein lesenswerter Thriller gelungen, der die veränderte computertechnisierte und vernetzte globale Welt aufnimmt und sie als tragendes Element für seine Thrillerhandlung einsetzt, womit die Geschichte frisch und unverbraucht daherkommt. Als wichtigstes Ermittlungsinstrument wird ergo auch das Internet in Szene gesetzt. Dies berücksichtigt die eindrucksvolle Tatsache, dass dieses Medium den Globus quasi schrumpfen lässt. Zusammen mit den eigenen Trekkererfahrungen, der Autor ist selbst Trekker und Computerexperte in einer Person, gelingt es Evans, die Handlung interessant einzubetten und kontrastreich zu gestalten. Dass der Laiendetektiv Wood eher durch die Geschichte stolpert, als sie kraftvoll nach vorne zu bringen, wirkt zwar etwas spannungsdämpfend, dient aber insgesamt dem Zweck einer größeren Glaubwürdigkeit. Da der Autor sich eines klaren und flüssigen Stils bedient, bleibt man bis zum Schluss dabei. Zwar mag man sich an dem beschriebenen Umstand stören, dass globale Verbrechen von der Polizei nicht verfolgt werden, und sicherlich hat man auch schon spannendere Plots und aufregendere Charaktere erlebt, insgesamt aber ermöglicht uns Evans ein paar Stunden erfreulichen Lesegenuss.
Frank Kaufmann
John Evans: Tödlicher Pfad. Thriller. DTV 2006. 375 Seiten. 8,90 Euro.