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Bernd Leix: Hackschnitzel

05.11.2006


Im Baugewerbe gehts böse zu

Oskar Lindt, der Hauptkommissar der Karlsruher Kriminalpolizei, macht sich in Hackschnitzel an seinen dritten Fall. Der makabre Fund einer zerhäckselten Leiche auf einem Kinderspielplatz ist der Beginn akribischer und zäher Ermittlungsarbeiten.

 

Beinahe wäre es der perfekte Mord gewesen: die Leiche für immer verschwunden, keine Spuren. Aber einen perfekten Mord gibt es nicht. Die unappetitlichen fleischlichen Überreste eines in „kleinfingerlange Stücke“ gehäckselten Toten werden auf einem Kinderspielplatz ausgebracht anstatt im Heizkraftwerk mit dem anderen Holz zu verbrennen. Für Oskar Lindt und sein Team gibt es zunächst kaum verwertbare Spuren. Eine erste Querverbindung zu dem Mordfall ist der Einbruch in den Lastwagen mit dem aufmontierten Großhäcksler. Die Identität des Toten lässt sich auch nicht feststellen, bis – wie es der Zufall so will – eine Vermisstenanzeige des Bauunternehmers Gero Langenbach dem Kommissar zur Hilfe kommt: Konrad Fink, der Prokurist der Firma, ist nicht zur Arbeit erschienen. Fink wollte für ein paar Tage zum Skifahren in die Berge, so seine Aussage, doch das gepackte Auto habe seine Garage nie verlassen. Der daraufhin durchgeführte DNA-Abgleich ist positiv, der Tote Konrad Fink.
Die Spurensuche in der Wohnung und im Büro des Prokuristen ergeben keine Hinweise auf ein Motiv. Beide sind ordentlich aufgeräumt und in kühlem Schwarz-Weiß-Design gehalten. Über das Privatleben von Konrad Fink sei kaum etwas bekannt gewesen, seine Arbeit habe er gewissenhaft und penibel ausgeführt, wird Lindt von Langenbach informiert. Mögliche Verstrickungen seiner Baufirma mit dem Mordfall weist dieser weit von sich. Das Einzige, was fehlt, ist die herausnehmbare Festplatte des Rechners am Arbeitsplatz von Fink, das ist alles.

Ideenfindung beim Pfeiferauchen

Oskar Lindt ist ein routinierter und rechtschaffener Kriminalbeamter, der im Vergleich zu berühmten Kollegen mit wenigen Macken ausgestattet ist. Als pfeiferauchender Mittfünfziger mit leichtem Bauchansatz, der zum Grübeln neigt, ist er zwar dem freundlichen Spott seiner Mannschaft ausgesetzt, arbeitet sich aber ansonsten sorgfältig durch den Fall. Dass dabei Raffinesse und Unkonventionalität bei den Ermittlungstätigkeiten auf der Strecke bleiben, war zu erwarten. Die Beamten kommen in kleinen Schritten voran, kein Detail, das zur Lösung des Falles beiträgt, wird zu schnell verraten. Lindt gibt das Tempo vor, und dabei geraten Erzählzeit und erzählte Zeit schier zur Deckung. Es wird abgebremst, wo immer es geht, der Spannungsbogen ist eher schlaff, doch am Ende wird kräftig daran gezogen. Dafür sind knapp 200 von den 250 Seiten zu lesen.

Angenehme Unterhaltung

Der Kreis der Verdächtigen erweitert sich schlagartig, als die Kriminalisten tiefer in das Baugewerbe eindringen. Eine Konteneinsicht bei Konrad Fink zeigt, dass bei dem Fall hohe Summen an Geld im Spiel sind, die auf verschiedenen Konten hin und her transferiert wurden. Die versuchte Tötung von Lindt, als er sich mit einer Zeugin trifft, ein Beweis für die Skrupellosigkeit des oder der Täter. Konrad Fink hat ein angenehmes Leben geführt, in materieller Hinsicht ohne Not, doch weil er die Fäden in diesem Reigen in der Hand hielt, weil er zu viel wollte und weil die anderen stärker waren, musste er sterben. Ein grausam durchgeführtes Gewaltverbrechen macht noch keinen aufregenden Krimi aus, für angenehme Unterhaltung sorgt die stilistisch solide erzählte Geschichte aber schon.

Senta Wagner


Bernd Leix: Hackschnitzel. Krimi im Gmeiner-Verlag 2006. 273 Seiten. 9,90 Euro.

 

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