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Joe R. Lansdale: Wilder Winter

12.02.2007


Ungleiche Freunde

Der Autor Joe R. Lansdale bedient sich bei seiner Geschichte einer sehr robusten Sprache, er schreibt bitterböse und mit schwarzem Humor. Spannung ist bei ihm angesagt und seine Helden überstehen ihr Abenteuer mit mehr Glück als Verstand.

 

Eine Freundschaft erweist sich dann als wahr, wenn sie kleine und große Momente übersteht. Und die Freunde von Hap Collins und Leonard Pine könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine weiß und Kriegsdienstverweigerer, der andere schwarz, schwul und Vietnamveteran. Als Haps Ex-Frau Trudy auftaucht, beginnt es turbulent und gefährlich zu werden.

Leonard weiß, dass Trudys Besuch nicht zufällig kommt und nur Ärger bedeuten kann. Dennoch hält er zu Hap, der seiner Ex kaum einen Gefallen ausschlagen kann. Und die hat ein verlockendes Angebot. In den texanischen Sümpfen ist das Geld eines Bankraubs versteckt und die beiden Freunde, die sich in der Wildnis auskennen, sollen bei der Bergung helfen.
Leicht verdientes Geld ist es aber nicht. Und damit ist nicht die schmutzige Arbeit gemeint, mitten im Winter in den kalten Gewässern der Sümpfe zu tauchen. Vielmehr steckt hinter Trudy eine Gruppe aus Alt-68ern, die ihren Kampf gegen die etablierte Gesellschaft wieder aufnehmen will. Hehre Ziele sind den Aktivisten fern, und so müssen Hap und Leonard wohl oder übel mitmachen, wollen sie nicht ihr Leben verlieren.

Knallharter Krimi

Kein Wort zu viel, immer die unbequeme Wahrheit aussprechend und auf keinen Fall mehr Höflichkeit als notwendig sind ihr Markenzeichen. Hap und Leonard sind Kumpels, die wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können, ohne dies jemals auszusprechen.
Der Autor Joe R. Lansdale bedient sich bei seiner Geschichte einer sehr robusten Sprache, er schreibt bitterböse und mit schwarzem Humor. Spannung ist bei ihm angesagt und seine Helden überstehen ihr Abenteuer mit mehr Glück als Verstand. Lansdale schreibt bodenständig, und das bedeutet die knallharte Wirklichkeit. Und so bangt man um Hap und Leonard, die nichts anderes wollen, als heil aus der ganzen Sache herauszukommen. Ihnen ist ihr Leben mehr wert als die Aussicht darauf, jemals etwas von der Beute zu sehen.
In Wilder Winter zeigt sich, wer die wahren und wer die falschen Freunde sind. Lansdale rechnet auch mit den Weltverbesserern ab, die bei der Verwirklichung ihrer Träume über Leichen gehen. Der Roman ist ein unterhaltsamer Krimi mit einem Hauch Melancholie, die bei diesem Thema einfach dabei sein muss.

Ulrich Blode


Joe R. Lansdale: Wilder Winter. Aus dem Amerikanischen von Richard Betzenbichler und Katrin Mrugalla. Shayol Verlag 2006. 196 Seiten. Euro 12,90.

Joe R. Lansdale ist ein Grenzgänger, er hat über zwanzig Romane und zweihundert Kurzgeschichten zu Krimi, Horror und Western verfasst. Er lebt mit seiner Familie in Nacogdoches, Texas. Wilder Winter erschien 1990 im Original als „Savage Season“ und ist der erste Roman einer ganzen Reihe mit Hap Collins und Leonard Pine.

 

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