Kennzeichen T - 25.05.2012 Men in Black 3 - jetzt im Kino! Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 22:27

 

Tatjana Ustinowa: Stirb, Brüderchen, Stirb

25.02.2007


Wachsam, Schwesterchen, wachsam

„Der russische Bär ist aus dem sozialistischen Winterschlaf aufgewacht und zum kapitalistischen Raubtier geworden.“

 


Warja hat auf ihrem Heimweg von der Arbeit nur eines im Sinn, sich so schnell wie möglich bei einem gemütlichen Weiberabend zu erholen. Es war ein wirklich völlig verkorkster Tag: erst lag plötzlich ein Toter im Büro und dann wurde sie auch noch angefahren, so dass sie im dreckigen Schneematsch landete. Eine kleine Party unter alten Freundinnen, bei Hausmannskost und etwas billigem Wodka, wird ihr gut tun. Auch ihre Freundin Tanja will sich ihre Sorgen vom Herzen reden. Ihr Exmann kümmert sich nicht um seinen Sohn und trotz ihrer Tätigkeit als Ärztin hat sie nicht genügend Geld für ihre kleine Familie. Neben ihrer ganz realistischen Verzweiflung erscheinen die mysteriösen Vorkommnisse, die Warja erlebte, ziemlich unwirklich.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Beide Freundinnen werden immer tiefer in undurchsichtige Machenschaften der Medien-Holding „Moskauer Zeit“ hineingezogen. Warja, der Träumerin, bleibt nichts anderes übrig, als sich den schwindelig machenden Fragen zu stellen, die sich ihr aufdrängen. Wie kam der Besucher im Büro zu Tode? Ist der Widerling von einem Chef jetzt auch ein Mörder? Warum beschenkt man gerade sie, die auf der Hühnerleiter des Büros ganz unten steht, mit dem Privileg einer Auslandsreise? Und wer ist der unbekannte, gut aussehende Geheimnisvolle, dem sie immer wieder begegnet?

Entfesselter Kapitalismus

Zum Glück hat sie sich einen gewissen Ruf als Mensch mit detektivischem Gespür erworben, als sie auf einem Familienfest für den Erhalt des familiären Friedens sorgte, indem sie verschwundene Brilliantohrringe wieder auftauchen ließ. Und so begibt sich Warja auf eigene Faust auf eine Ermittlungstour, in deren Verlauf sie sich einer neuen gesellschaftlichen Realität stellen muss, die anscheinend noch kälter ist als die alte.

Dabei kommt sie neuen und alten Methoden der Geschäftemacherei im Neuland des entfesselten russischen Raubtierkapitalismus auf die Spur. Auch der undurchsichtige Attraktive stellt sich als einer von den „neuen“ Russen heraus. Er ist sogar noch neuer, das heißt noch reicher, und das schließt ihn erfahrungsgemäß davon aus, zu den Guten zu gehören, oder?

Ein Krimi zwischen Märchen und einer neurussischen Realität, der Brutalität der alten Raubtiere im neuen Pelz. Wer will der Heldin das magische Happy End mit Harley Davidson und Märchenprinz verargen, alles ist besser als im postsozialistischen Abseits zu bleiben und noch von jedem eins auf die Nase zu kriegen.

Maggie Thieme


Tatjana Ustinowa: Stirb, Brüderchen, Stirb. Übersetzt von Margret Fieseler. Wunderlich 2007. 397 Seiten. 19,90 Euro

TITEL-Kulturmagazin bietet regelmäßig Neuigkeiten aus Literatur, Musik und Film. Unabhängig und kompetent - seit über 10 Jahren!

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Dichter und Diplomat

»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Raubbau an Körper und Seele

In Stiche erzählt David Small die Geschichte seiner Kindheit und Jugend im wissenschaftshörigen Amerika der ...

Kampf der Superlative

Wenn ausgerechnet Incal-Autor Alejandro Jodorowsky, der inzwischen auch »Heilung durch Kunst« betreibt, die Geschichte des mächtigsten Killers des Universums erzählt, ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Back for good

Zwei interessante Wiederveröffentlichungen aus den 70ern, vorgestellt von TOM ASAM.

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...