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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:27

 

Justin Larutan: Das Attentat

20.02.2004





Rasanter Pop-Krimi




 

Den Alltag des Ich-Erzählers Daniel scheinen wir aus unendlich vielen Seifenopern zu kennen: Ein Student Mitte zwanzig schreibt an seiner Magisterarbeit, jobbt nebenher in einer Agentur, lebt in einer sogenannten Kreativen-WG mit Grafikern, Werbern, Webdesignern, Musikern, Dichtern und Szene-Leute zusammen, also irgendwelchen Nachteulen, die sich ein Stelldichein geben. Abends trifft man sich in Bars, Clubs, geht auf Konzerte, konsumiert Alkohol und weiche Drogen, unterhält sich über Mode, Musik, Beziehungen und zwischendurch über Politik.

Das Leben mit seinen kleinen Höhen und Tiefen plätschert so vor sich hin. Eine Veränderung tritt ein, als sich Daniel in zwei Frauen verliebt und mit beiden auf lockere Art zusammen kommt. Parallel dazu taucht ein Bekannter plötzlich ab, der zwei Tage zuvor seinen detaillierten Plan, in den "Untergrund" zu gehen, vorstellte. Kurz darauf wird ein konservativer Politiker auf seinem Anwesen erschossen. Gleichzeitig geht ein Schlachthof in Flammen auf.

Daniel möchte der Sache auf den Grund gehen, doch die Beziehung zu den zwei Frauen hält ihn von einem entschlossenen Vorgehen ab. Am Ende erfährt er von einem neuen Anschlagplan. Ob er ihn verhindern kann und wie die Zerrissenheit des Ich-Erzählers zwischen den beiden Frauen ausgeht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Hinter dem Pseudonym Justin Larutan verbirgt sich der promovierte Geschichtswissenschaftler Jürgen Riethmüller. Ihm gelingt es, in seinem Roman Realität und Fiktion ineinander fließen zu lassen. Die Story, die , wie unschwer zu erkennen ist, in Stuttgart spielt, thematisiert einerseits "ich und meine kleine Welt" - im besten Sinne ein Stück Popliteratur wie man es von den bekannteren Kollegen Christian Kracht oder Benjamin von Stuckrad-Barre kennt - andererseits handelt es sich um einen satirischen Text über die so hippen Großstadtszenen und ihre affigen Allüren und Attitüden. Das ganze wird mit aktuellen politischen Fragen verwoben. Etwa mit dem neoliberalen Diskurs über Lohnsenkungen, der Globalisierung und einigem mehr. Doch das ist nur die eine Ebene des Romans. Durch das Abtauchen des Bekannten, den Mord- und Brandanschlag, entwickelt sich Das Attentat zu einem rasant geschriebenen Krimi, der den Leser mehr als fesselt.

Boris Kerenski


Justin Larutan: Das Attentat. Lautsprecher Verlag, Freiburg 2001. 224 S., 14 Euro

 

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