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Jeffery Deaver: Der gehetzte Uhrmacher

29.04.2007


Der Uhrmacher schlägt zu

Auch der siebte Fall des Kriminalistenduos Rhyme und Sachs kann überzeugen. Dabei haben es die professionellen Ermittler mit einem besonders wandlungsfähigen Täter zu tun. Ein rationaler Planer, der die New Yorker Kriminalisten bis zum Schluss in Atem hält: „Der gehetzte Uhrmacher“, der so gar nicht gehetzt wirkt.

 

Hat man einmal Die Assistentin gelesen, in der der körperbehinderte Ermittler Lincoln Rhyme und seine Partnerin Amelia Sachs zum ersten Mal gemeinsam einen Fall lösen (verfilmt unter dem Titel Der Knochenjäger mit Denzel Washington und Angelina Jolie), dann möchte man gerne mehr: Noch einmal so viel Spannung, Action und interessante Einblicke in die Fallanalysen der Polizei von New York. Das liefert Jeffery Deaver jedes Mal aufs Neue. Nicht umsonst wird er von The Times als „der beste Autor psychologischer Thriller weltweit“ bezeichnet. Seinen Beruf als Rechtsanwalt hat er schon lange an den Nagel gehängt, um sich ausschließlich dem Schreiben zu widmen. So entsteht fast jedes Jahr ein neuer Thriller. Mal mag der etwas übertrieben wirken, weil er dann doch etwas zu dick aufträgt, mal wirkt die Psychologie der Figuren etwas blass, weil vielleicht zu viel Action sie in den Hintergrund drängt, doch immer wieder überzeugt er durch einen absolut raffinierten Plot, der zu unterhalten versteht und im wahrsten Sinne Spannung erzeugt.

Es sind die unerwarteten und aufregenden Wendungen, die kalkuliert, punktgenau gesetzt und auch bei diesem Titel wieder einsame Spitze sind. Erneut beginnt alles mit einem Knalleffekt: Eine Blutlache am Pier, die Leiche fortgerissen von den eisigen Fluten des Hudson Rivers. Ein toter Mann in einer dunklen Seitengasse am Broadway, sein Brustkorb zerquetscht von einem tonnenschweren Eisenquader. Lincoln Rhyme und Amelia Sachs können kein Motiv für die grausamen Morde entdecken, aber der Täter hat an beiden Tatorten deutliche Zeichen hinterlassen: laut tickende Standuhren, die unerbittlich die letzten Sekunden im Leben der Opfer herunterzählen – sie sind die Visitenkarte des „Uhrmachers“, wie sie ihn bald nennen.

Die Tat hinter der Tat

Als Rhyme und Sachs sich auf die Suche nach dem Mörder machen, finden sie heraus, dass der „Uhrmacher“ gleich zehn Uhren gekauft hat. Das sieht nach einem typischen Serientäter aus und nach einem Wettlauf mit der Zeit – aber es sieht eben nur danach aus. Bald bekommt der Fall ganz andere Dimensionen: Korruption bis hin zur höchsten Ebene und Terrorismus pur – der „Uhrmacher“ plant nämlich unterdessen etwas ganz anderes. Aber was genau?

Damit das Kriminalistenpaar und ihr Ermittlerteam ganze Arbeit leisten können, erhalten sie diesmal unschätzbare Hilfe von einer neuen Kollegin: Kathryn Dance – eine weltweit anerkannte Spezialistin für Körpersprache, der man nachsagt, sie könne Falschaussagen schneller und besser entlarven als jeder Lügendetektor. Und tatsächlich scheint der Täter mit ihrer Unterstützung bald aufgespürt. Dann stellt sich heraus, dass der „Uhrmacher“ schon einen Schritt voraus ist, denn er ist ein großer Planer, und Exaktheit ist sein oberstes Prinzip. Und irgendwo im Verborgenen zählt bereits ein Zeitzünder gegen Null. Rhyme und Sachs scheinen zu spät zu kommen. Fragt sich nur, warum der „Uhrmacher“ im Romantitel mit dem Adjektiv „gehetzt“ angekündigt wird, wo dieser doch ganz ruhig und rational seine Taten plant und ausführt.

Frank Kaufmann


Jeffery Deaver: Der gehetzte Uhrmacher. Blanvalet 2007. 480 Seiten. 19,95 Euro.

 

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