Peter ODonnell: Der Xanadu-Talisman
07.05.2007
Agentinnenroman der Spitzenklasse
Modesty Blaise darf auch in dieser Neuauflage in der Verbrecherwelt wieder dem Guten zum Durchbruch verhelfen.
Wer schon zu Beginn eines Buches seine Leser fesseln kann, hat gewonnen. Diese Regel dürfte sich Peter O´Donnell zu Herzen genommen haben. Es gibt keinen mir bekannten Modesty-Blaise-Roman, der nicht vom ersten Satz an mitreißend erzählt ist und sofort in die Handlung einführt. „Der Franzose neben ihr verlor von neuem das Bewusstsein. Sie änderte ihre Stellung, denn sie war nur mit einem kurzen Bademantel bekleidet, und der Schutt stach in ihren Körper.“
Die Originalausgabe des vorliegenden Romans erschien 1981 unter dem Titel The Xanadu Talisman, die deutsche Ausgabe im selben Jahr bei Zsolnay als Die Lady will es anders. Der Unionsverlag hat die Übersetzung überarbeitet und seine Neuauflage am englischen Originaltitel angelehnt.
Abenteuer in Nordafrika
Modesty ist in Marokko von einem Erdbeben verschüttet worden. Sie liegt gemeinsam mit einem schwer verletzten Franzosen unter den Trümmern des Hotels und wartet auf Hilfe. Von dem Franzosen hat sie einen Talisman anvertraut bekommen mit einem seltsamen Auftrag: Modesty Blaise soll ihn einem Mann namens George Martel in Villefranche bringen. Schon ist die schöne Heldin nach ihrer Rettung in neue Abenteuer verwickelt.
Modesty ist attraktiv und schlagkräftig zugleich, intelligent und gut. Wie ihr Kollege James Bond, mit dem sie oft verglichen wird, arbeitet sie mit modernsten Waffen und technischen Hilfsmitteln. Sie flüchtete vor dem Krieg und schlug sich als Waisenkind bis nach Nordafrika durch. In Tanger schloss sie sich mit fünfzehn Jahren einer kriminellen Bande an und übernahm rasch deren Führung. Aber selbst als Kriminelle blieb sie relativ moralisch, mit Drogen- und Mädchenhandel hatte sie nie etwas zu tun. Als sie sich noch vor ihrem 30. Geburtstag als Multimillionärin zur Ruhe setzt, wird ihr rasch langweilig. Sie beginnt für den britischen Geheimdienst zu arbeiten und kämpft von nun an für das Gute.
Eine Comicfigur erobert die Romanwelt
Ursprünglich war Modesty Blaise eine Comicfigur. Der erste Comic mit ihr wurde 1963 im Evening Standard veröffentlicht. Bis 2001 erschienen regelmäßig Comicstrips, konzipiert als Daily-Strips, die jedoch in einzelnen Geschichten zusammenhängen. Auf Deutsch sind die von Jim Holdaway gezeichneten Comics im Carlsen Verlag erschienen.
Der erste Roman mit dem Titel Modesty Blaise erschien 1965. Ihm folgten zehn weitere Romane und zwei Bände mit Kurzkrimis, alle waren Bestseller. Die Romane waren einige Zeit vergriffen. Seit 2005 erscheinen im Unionsverlag einige Bände in Neuauflage.
Die Romane von Peter O´Donnell sind Unterhaltung pur. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie sind spannende Agentinnenromane aus der Spitzenklasse der Unterhaltungsliteratur. Echte Modesty-Fans werden ohnehin alle Comics und Bücher von ihr zu Hause haben. Wer allerdings mit Xanadu-Talisman seinen Einstieg in die Modesty-Blaise-Welt beginnt, dem seien auch die Comics empfohlen – wie alle weiteren Roman-Neuauflagen im Unionsverlag.
Maria-Bernadette Ehrenhuber
Peter O´Donnell: Der Xanadu-Talisman. Übersetzt von Ilse Winger. Unionsverlag 2006. Taschenbuch. 279 Seiten. 9,90 Euro.