Robert B. Parker: Der stille Schüler
27.08.2007
Hartnäckige Suche nach Wahrheit
Der stille Schüler ist genau die Art von Unterhaltung, die einem die Zeit vertreibt, ein echter Popcornkrimi für Zwischendurch.
Zwei Schüler gehen in ihre Schule und haben schon vorher beschlossen Menschen umzubringen. Der Fall ist für die Bürger, Polizei und den Staatsanwalt eindeutig: Die Jungen sind schuldig. Diese leugnen ihre unbegreifliche Tat auch nicht. Nur die Großmutter Lily Ellsworth ist von der Unschuld ihres 17jährigen Enkels Jared Clark überzeugt und beauftragt den Privatdetektiv Spenser. Der findet zuerst auch nichts Neues heraus. Bekannt ist, dass Jared zusammen mit Wendell Grant fünf Schüler, den stellvertretenden Dekan und eine Spanischlehrerin erschoss. Wendell wurde noch in der Schule verhaftet, Jared auf der Flucht. Und beide sind geständig. Die Polizei, die Schulleitung, aber auch Jareds Eltern wollen alles schnell hinter sich lassen und verweigern sich weiteren Ermittlungen. Spenser lässt die Frage nach dem Motiv hingegen nicht mehr los. Gerade weil er von allen Seiten auf Widerstand stößt, forscht er weiter und entdeckt, dass der Fall des Schülers noch längst nicht zu den Akten gelegt werden kann, selbst wenn er schuldig sein sollte.
Der stille Schüler ist genau die Art von Unterhaltung, die einem die Zeit vertreibt, ein echter Popcornkrimi für Zwischendurch. Die Sätze sind knapp gehalten, längere Beschreibungen fehlen und die Dialoge sind stark zugespitzt. Das treibt die Handlung schnell voran, tiefere Analysen für das Warum der Tat bleiben außen vor. Fans der Spenser-Krimis bietet Robert B. Parker Gewohntes und Neues. Mit seiner hartnäckigen Suche nach der Wahrheit hat Spenser das Herz auf dem rechten Fleck, folgt aber häufig seinem eigenen Gerechtigkeitssinn und weniger den Gesetzen. Die Folgen dieses Handelns sind manchmal drastisch, doch sie verhindern Schlimmeres, denn manche von Spensers Mitbürgern schauen lieber weg als sich zu engagieren.
So geht der Privatdetektiv mit seiner charmanten Art den Ordnungshütern gehörig auf die Nerven, denn wo er auftaucht, gibt es Ärger. Sein spezieller Sinn für Humor amüsiert den Leser und brüskiert die provinziellen Ordnungshüter im Roman. Moral zählt für den Helden aus Boston mehr als Status, weil er weiß, dass auch hinter den weißesten Fassaden sich das Unrecht verbergen kann. Die Spur führt ihn zu Leuten, die ihre Schutzbefohlenen auf widerwärtige Weise missbrauchen.
Dass der zwielichtige, aber sehr loyale Hawk dieses Mal nicht in der Geschichte auftaucht und Spensers Freundin Susan Silverman erst zum Schluss, das ist zu verschmerzen, denn die Geschichte konzentriert sich auf die Hauptfigur und ist somit schnell zu lesen. Letztlich ist es eine Geschichte um einen, der trotz empfindlicher Rückschläge, niemals aufgibt. Die Spannung entsteht durch den Zweifel, ob Spenser obsiegen wird und weniger durch Action. Am Ende findet Spenser die Menschen, die den Schüler zum Mörder werden ließen, doch er weiß auch um den Preis, nämlich die Verletzten und Toten, dieser bitteren Erkenntnis, und das zeichnet einen wahren, menschlichen Helden aus.
Ulrich Blode
Robert B. Parker: Der stille Schüler. Ein Auftrag für Spenser. Übersetzt von Frank Böhmert. Pendragon 2007. 214 Seiten. 9,90 Euro.
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