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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:32

 

Robert Hültner: Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski

12.02.2004

 

Unkonventioneller Krimi aus aufregenden Zeiten in unaufgeregtem Stil

Hültner gelingt eine höchst unterhaltsame Mischung aus erhellendem zeitgeschichtlichen Background, viel bayrischem Lokalkolorit städtischer und ländlicher Einfärbung und spannender Story.

 

Der Mann muss ein absoluter Filmliebhaber sein... wenn einer schon mit einem Wanderkino durch kinolose Dörfer gereist ist und historische Filme für das Filmmuseum restauriert hat. Außerdem ist Robert Hültner aber auch Regisseur und Autor, und nebenbei auch noch Preisträger des Deutschen Krimipreises von 1995 - eben für "Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski" - und das ist nicht gering zu schätzen ob der Flut kriminalistischer Literatur, die gleichwohl oft nur bestenfalls solides Mittelmaß bietet. Dass die Taschenbuchausgabe nun in die vierte Auflage gegangen ist, beweist den anhaltenden Wert dieses Romans.

Einen besonderen Reiz dieser Geschichte machen die politischen Wirrungen der Münchner Räterepublik aus, die als historischer Hintergrund dienen und sich wunderbar in der täglichen Amtsausübung des Inspektor Kajetan widerspiegeln. Kajetan recherchiert im Fall des vermissten Journalisten Meininger. Die Untersuchungen weisen immer deutlicher auf eine Verbindung Meiningers zum Attentat auf Kurt Eisner - hier nur der Präsident genannt - hin. Gerüchte um die Vergangenheit Eisners - in Wirklichkeit sei dieser ein entflohener jüdischer Bankrotteur namens Schmuel Koslowski - waren vor dessen Ermordung gezielt gestreut worden. Während Kajetan sich beharrlich durch das Dickicht aus Hinweisen, Verwicklungen, Verleumdungen und Verschwörungstheorien bohrt und den Drahtziehern mehr und mehr auf die Pelle rückt, sieht er sich täglich auf's Neue mit der Ungewissheit konfrontiert, welche Rolle der Polizei im gerade herrschenden politisch-militärischen Kräfteverhältnis überhaupt noch zugedacht ist. Keiner weiß Genaues nicht.

"Wo möchte er hin?"
Der Soldat vor dem Portal des Polizeidirektoriums hielt seine Hand vor Kajetans Brust.
"Zu Ermittlungen, wenn's recht ist. Oder ist die Polizei schon abgeschafft? Sagt einem ja keiner was."
"Spar dir deine Spaßettl. Kein Polizist geht mehr ohne Begleitsoldaten. Meint Er, dass Er eine Ausnahm ist?"...
Der Soldat ruft einen Begleiter herbei.
"Xare, du gehst mit dem Wachtl da mit, hast mich?"
Der Soldat nickte gleichmütig und schulterte sein Gewehr. "Wo willst denn hin, Schandi?"
Kajetan unterdrückte seine Ärger. "Kriminalinspektor Kajetan, wenn der Herr General erlauben."
Xare lachte gutmütig. "Nichts General. Ich bin bloß der Xare von der Schwanthalerhöh. Geh weiter, vertragen wir uns. Hat doch keinen Taug."

Hültner gelingt eine höchst unterhaltsame Mischung aus erhellendem zeitgeschichtlichen Background, viel bayrischem Lokalkolorit städtischer und ländlicher Einfärbung und spannender Story. Dabei unterliegt er nicht der Versuchung wild drauf los zu powern - die Historie würde hierzu reichlich Stoff liefern - sondern nimmt sich Zeit für differenzierte Stimmungsbilder und Personenzeichnungen, die er treffsicher mit einfachen Pinselstrichen aufs Papier zaubert. Ein unwiderstehlicher Showdown rundet den Lesegenuss perfekt ab.


Anselm Brakhage



Robert Hültner: Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski
btb, 4. Auflage 2002.
Taschenbuch. 216 Seiten. ¤ 7,00.
ISBN 3-442-72144-X

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