WENN FANTÖMAS mit schrägen schatten
diesseits der seine aufersteht,
zur zeit, da sich die uhus gatten,
dann wird das gaslicht angedreht.
aus rosaroten kneipen dröhnen
verschiedene akkordeons,
die dirne darbt mit hungerlöhnen,
des löwen anteil speist herr jones.
an ufern leuchten lasterdschunken,
es kreischt ihr damenarsenal,
und in toiletten erzhalunken
entwerfen einen Überfall.
die polizei tut nichts dagegen,
ein gentleman legt maske an,
doch in zivil besteigt verwegen
der bleiche mond die abendbahn.
auf Selbstmord sinnt im eiffelturme
ein starkverliebter anarchist,
dieweil nach einem wirbelsturme
ein cirkusmensch sein zelt vermißt.
drei neger lieben eine taube,
sie sträubt sich nicht für gutes geld;
am quai d'orfèvre treu und glaube,
in jedem zimmer harrt ein held.
ein pole schlingt ein dutzend wachteln,
ein nacktes weib auf wolken schwebt,
im tanzsaal seufzen alte schachteln,
der taschendieb nach börsen strebt.
aus der kloake steigen herren
mit manchem einbruchsinstrument,
still ruht die bank, beamte zerren
die gitter vor; ein nachtlicht brennt.
auch Saxophone dudeln lüstern,
ein falscher führt fandango vor,
ein pharao mit pferdenüstern
gibt takt zu einem tuntenchor.
verzeihen sie, gibts noch pomade
um diese späte abendstund?
des lebens bittre Schokolade
verklebt mir jedes wort im mund.
Aus: H.C. Artmann, Aus meiner Botanisiertrommel. Balladen und Naturgedichte. Salzburg: Rezidenz Verlag 1975.
© 1975 Residenz Verlag